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Die KONE Academy in Hannover setzt auf konsequentes, zielorientiertes Training, bei dem jeder durch individuelles Lernen mit klar definierten Lernergebnissen seine Stärken optimal einbringen kann. So sollen beispielsweise Techniker 60 % der Standardstörungen selbstständig beheben können. Das Zentrum betreut jährlich rund 2,500 Teilnehmer und beschäftigt etwa 130 nebenberufliche Trainer, die ein 1.5-jähriges Train-the-Trainer-Programm absolvieren. Das markenübergreifende Angebot umfasst 70 % Praxis und 30 % Theorie und beinhaltet reale Installationen, Simulatoren, VR und die Planung KI-gestützter Diagnostik. Die Verantwortlichen erkennen den Mangel an einer formalen Aufzugsmonteurausbildung in Deutschland an und hoffen auf eine branchenweite Standardisierung der Grundausbildung. Die KONE-DNA fördert Begeisterung und Zusammenhalt, und die Academy ist ein Beispiel für langfristige Investitionen in praxisnahe, messbare Kompetenzen.
Ein Besuch der KONE Akademie in Hannover
von Sascha Göbel, EW-Korrespondent
Als Dozent wollte ich sehen, wie andere es machen. Die KONE Akademie in Hannover verfolgt einen Ansatz, der mich überrascht hat – nicht durch die Quantität, sondern durch die Kontinuität.
Hannover, Deutschland, 10. November 2025 — Eine kleine Gruppe
Die Führung durch die KONE Academy in Hannover fand in kleinem Rahmen statt: Thomas Lipphardt (Leiter Technisches Reglement, KONE), Markus Klewer (Leiter der KONE Academy), Christella Herzog (VFA-interlift), Lisa Boettcher (liftreport) und ich. Keine Pressevertreter, kein Marketingteam – nur ein offenes Gespräch über die Ausbildung in unserer Branche.
„Jeder bekommt seine eigene Note, damit wir ihn mitnehmen können“, erklärte Klewer seinen Ansatz gleich zu Beginn. Dieser beinhaltet individuelles Lernen, angepasst an das Vorwissen. Die Kurse haben keine festen Inhalte, aber klar definierte Ziele. Ein Beispiel: Nach der Schulung sollen die Techniker 60 % der Standardstörungen selbstständig beheben können – ohne Rückfragen und ohne Verzögerung.
Das ist nicht nur ein Klischee. Es ist eine Arbeitsaufgabe – eine klar messbare Größe.
Die Akademie – Figuren und Struktur
Die Akademie besteht seit 18 Jahren und verzeichnet jährlich rund 2,500 Teilnehmer. Die Schulungen werden größtenteils von etwa 130 Trainern durchgeführt, die nebenbei ihren regulären Berufen nachgehen – ihnen werden maximal 20 Tage pro Jahr für diese Aufgabe eingeräumt.
„Das gewährleistet die praktische Relevanz“, sagte Klewer. Jeder, der heute noch an dem System arbeitet, kann morgen Fehlermuster erklären, die noch nicht im Lehrbuch stehen.
Zielgruppen sind:
- KONEs eigene Mitarbeiter (Techniker, Ingenieure, Vertrieb)
- Subunternehmer (müssen bestimmte Voraussetzungen erfüllen, um im Auftrag von KONE arbeiten zu dürfen)
- Kunden (technisches Personal, Facility Management)
- Experten im Testen
Besonders auffällig ist das markenübergreifende Angebot. Es werden nicht nur KONE-Produkte, sondern alle gängigen Marken geschult. „Unsere Techniker sollen jede Installation verstehen“, erklärte Lipphardt.
Zielorientiert statt inhaltsorientiert
„Wir haben keine Inhalte – wir haben Ziele“, betonte Klewer. Das klang zunächst abstrakt, wurde aber schnell konkret. KONE hat diesen Ansatz systematisch entwickelt. Anstelle von Lehrplänen, die Themen behandeln, werden Lernziele definiert. Die offizielle Formulierung von KONE lautet:
„Diese zielorientierte Vorgehensweise hat praktische Konsequenzen für alle Beteiligten und trägt ganzheitlich zur Verbesserung der Gesamtqualität bei. Vorgesetzte nutzen die Zielbeschreibungen, um festzustellen, ob diese ihren Herausforderungen in der Praxis entsprechen. Gleichzeitig sind die Ausbilder gezwungen, Methoden auszuwählen, die eine vollständige Zielerreichung gewährleisten. Und die Teilnehmer werden in einheitlicheren Gruppen mit für jeden geeigneten Schwierigkeitsgraden geschult.“
Konkret bedeutet das, dass ein erfahrener Techniker andere Aufgaben erhält als ein Quereinsteiger – doch beide müssen letztendlich dasselbe Ziel erreichen. „Jeder bekommt seine Chance“ – dieses Prinzip gilt für die gesamte Akademie.

Das Trainermodell: Praktiker als Dozenten
Die 130 nebenberuflichen Trainer bilden das Herzstück der Akademie. Doch wie stellt man sicher, dass die Trainer auch didaktisch qualifiziert sind? KONE hat hierfür ein 1.5-jähriges Train-the-Trainer-Programm entwickelt. Neue Trainer absolvieren zunächst zwei Schulungsmodule mit mehreren praktischen Teilen als Co-Trainer. Begleitet von einem erfahrenen Trainer erhalten sie detailliertes individuelles Feedback.
Die Vorteile dieses Modells:
Für die Trainer:
- Zusätzliche Qualifikationen, Kommunikationsfähigkeiten
- Kontakt mit den neuesten Geräten und Methoden an der Akademie
- Fähigkeiten, die auch dabei helfen, Auszubildende und Kollegen bei ihrer täglichen Arbeit zu unterstützen
Für die Teilnehmer:
- Praxisorientiertes Lernen „auf Augenhöhe, von Kollege zu Kollege“
- Barrierefreie Spiele ohne Hierarchie
- Vertrauen, Zusammenhalt, berufliche und persönliche Netzwerke
Für KONE:
- Selbstlernnetzwerk
- Wissenstransfer von der Praxis zur Ausbildung und zurück
Klewer fasst es wie folgt zusammen:
„Die Schulungen sind so praxisnah wie möglich. Dadurch entstehen Zusammenhalt, Vertrauen und viele berufliche und persönliche Netzwerke, die im täglichen Geschäftsleben hilfreich sind und bleiben.“
Das deutsche Problem – und ein strukturelles Defizit
Ein Thema wird im Gespräch intensiv diskutiert: In Deutschland gibt es keinen anerkannten Ausbildungsberuf zum Aufzugsmonteur mehr. Alle sind Quereinsteiger, die im Betrieb ausgebildet werden.
„Das ist ein strukturelles Problem für die gesamte Branche“, sagte Lipphardt. Er ist Mitglied in Normungsgremien und kennt die Diskussionen und die Geschichte:
„Früher war das anders, zum Beispiel in Roßwein. Das Niveau der dort ausgebildeten Servicetechniker und Ingenieure war sehr hoch. In Deutschland gab es jedoch immer das Gegenargument, dass die Zahl der Beschäftigten in der Branche zu gering sei, um den Aufwand einer neuen Prüfungsordnung zu rechtfertigen.“
Stattdessen wurde die VDI 2168 („Qualifizierung von Personal im Aufzugsbau“) als Zwischenlösung verfasst. Lipphardt hofft, dass die aktuelle Überarbeitung „die Vorschriften vereinfachen wird, sodass wir mehr Menschen für die Idee eines standardisierten Berufsausbildungsprogramms für Aufzugsmonteure begeistern können.“ Sein persönlicher Wunsch:
„Ich wünsche mir, dass unsere Verbände die Regierung dazu bewegen, ihre Entscheidung zu überdenken und entsprechende Weiterbildungskurse zu ermöglichen. Auf der Grundlage dieses einheitlichen Berufsbildes könnten die Beschäftigten unserer Branche dann auch ihre weiteren Qualifikationen ausbauen.“
KONE DNA – Zwischen Glanz und Realität
„KONE DNA“ ist ein Begriff, der in der Akademie immer wieder fällt. Ich hätte ihn zunächst für reines Marketing-Gerede gehalten, aber nach dreistündigem Gespräch bin ich überzeugt, dass mehr dahintersteckt. Daniela Reimann, Leiterin Customer Solution Engineering DACH, war bei dem Besuch anwesend und brachte es auf den Punkt:
„Die besondere KONE-DNA, unsere Kultur, ist für jeden in der Akademie spürbar. Sobald der direkte Kontakt zu unseren Kunden hergestellt ist, spürt man sofort die Begeisterung unserer Mitarbeiter: Ihre Augen leuchten wie an Weihnachten. Das ist der Geist unserer Akademie, der in jedem einzelnen unserer Techniker weiterlebt.“
Sie fügte aber auch hinzu:
„Ich denke, dass es leider oft schwierig ist, dies aus der Einzelbetreuung in den Geschäftsalltag zu übertragen. Leider treffen wir unsere Kunden auch heutzutage nur noch selten persönlich in unseren Räumlichkeiten.“
Das ist bemerkenswert transparent. Viele Unternehmen würden diese Aussage beschönigen. KONE lässt sie unverändert – und genau das macht sie glaubwürdig.
Vision 2030: KI, E-Learning und Verantwortung
„Kunden- und Marktanforderungen verändern sich – und damit auch die KONE Academy“, so Klewer. In den kommenden Jahren wird das Verhältnis zwischen Präsenzschulungen, selbstgesteuertem E-Learning und KI-Unterstützung dynamisch angepasst.
Die Herausforderungen:
- Digitale Transparenz aller Aufzugsarbeiten
- Beschleunigung vieler Veränderungen
- Persönlichen Kontakt in einer zunehmend digitalen Kommunikationswelt aufrechterhalten
Besonders wichtig: KI-gestützte technische Assistenten. Techniker müssen lernen, KI-Vorschläge nicht nur zu nutzen, sondern sie auch kritisch zu überprüfen. „Die Bewertung, Bestätigung und Anwendung der erhaltenen Informationen wird für unsere Ausbilder und Teilnehmer immer wichtiger“, betonte Klewer.
Und dann sagte er etwas, das im Gedächtnis blieb: „Die Digitalisierung macht uns effizienter. Diagnosewerkzeuge werden immer ausgefeilter und genauer. Vorausschauende Wartung gewinnt an Bedeutung. Doch eines bleibt unverändert: unsere Verantwortung für den sicheren Betrieb, die Sicherheit der Nutzer und einen möglichst reibungslosen Personenfluss für die Nutzer und Bediener der von uns gebauten und gewarteten Aufzüge und Rolltreppen.“

Europas größtes Trainingszentrum – und eine offene Frage
Die Akademie in Hannover ist vermutlich das größte Ausbildungszentrum für vertikale Mobilität in Europa. Sie ist einzigartig im globalen Netzwerk von KONE mit über 40 Ausbildungszentren. Dies wird jedoch nicht groß an die Öffentlichkeit gebracht.
Was Sie sehen:
- Reale Installationen – funktionsfähige Aufzüge, Rolltreppen, Türen
- Simulatoren für Fehlerszenarien
- Praxisorientierte Bereiche (70 % Übung, 30 % Theorie)
- Moderne Schulungsräume ohne Schnickschnack.
Hier gibt es keine Marketingshow, nur Arbeitsgeräte. Die Anlage riecht nach Maschinenfett, nicht nach Hochglanzbroschüren. Das ist ein Kompliment.
Meine Einschätzung
Was KONE hier geschaffen hat, ist in Europa einzigartig – nicht aufgrund seiner Größe, sondern aufgrund seiner Beständigkeit. Zielorientiertes Lernen, praxisnahe Trainer aus der Praxis, ein markenübergreifender Ansatz und langfristige Investitionen statt Kostenoptimierung zeichnen die Akademie aus.
Was ich vorher nicht wusste: KONE befindet sich seit 1924 zu über 50 % im Besitz der finnischen Familie Herlin. Es ist ein börsennotiertes Unternehmen mit familiären Strukturen. Das erklärt vielleicht, warum hier anders gedacht wird: nicht quartalsweise, sondern generationenübergreifend.
Die Frage ist: Kann dies ein Modell für die gesamte Branche sein? Ich glaube schon, aber nur teilweise.
Eine grundlegende Schulung – Sicherheit, Normen, elektrische Systeme – könnte branchenweit eingesetzt werden. Es ließe sich ein Basisniveau definieren, das für alle gilt – unabhängig davon, ob sie später für KONE, TK Elevator (TKE), Otis oder ein mittelständisches Unternehmen arbeiten.
Darauf aufbauend werden herstellerspezifische, detaillierte Schulungen angeboten. Die Steuerungen von KONE unterscheiden sich von denen von TKE, und Schindler bietet eigene Lösungen an. Selbstverständlich müssen auch Wettbewerber ihre Marktpositionierung im Blick behalten.
Aber die Grundlagen? Die sollten alle gleich sein. Und dazu bräuchte man eine Plattform – oder mehrere, die zusammenarbeiten.
Fazit
Es gibt in dieser Branche Menschen, die unkonventionell denken und nicht nur an „mein Unternehmen, meine Produkte“ denken, sondern an „unsere Branche, unsere Zukunft“. Lipphardt und Klewer gehören dazu. Vielen Dank, dass Sie uns Ihre Türen geöffnet, sich Zeit genommen und Ihre Einblicke mit uns geteilt haben. Ich komme gerne wieder.