Cobianchis Stephan Rohr über sein erstes Jahr am Ruder

By Sascha Göbel | Firmen-Spotlight Aufrechtzuerhalten Mai 31, 2026

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Rohr spricht über die Eigentumsverhältnisse bei Cobianchi, die Sicherheit von Mechatronik und die Grenze, an der KI aufhört

von Sascha Göbel, EW Europe Korrespondent

Manche Entscheidungen fallen, weil sich eine Tür öffnet. Andere, weil man eine Tür erkennt, die noch niemand geöffnet hat. Vor einem Jahr stieß Dr. Stephan Rohr genau so eine Tür auf: die Übernahme der Cobianchi Liftteile AG, einem der angesehensten Spezialisten für mechanische Sicherheitsausrüstung in der DACH-Region. Auf den 43. Heilbronner Aufzugstagen zog er erstmals öffentlich seine Schlüsse – vor einer Branche, die ihn aufmerksam beobachtet hatte.

„Die Kunden kamen von selbst“ – Ein Jahr als Inhaber

Rohr wurde gefragt, was ihn im vergangenen Jahr am meisten überrascht hat:

„Dass die Kunden loyal waren und meine Übernahme begrüßt haben.“ Die Antwort kommt ohne Zögern. Rohr hatte sich intern auf Gegenwind eingestellt – auf Marktunsicherheit, auf einzelne Kunden, die den Eigentümerwechsel als Anlass nehmen könnten, die Geschäftsbeziehung zu überdenken. „Ein oder zwei haben vielleicht etwas weniger gekauft, andere dafür etwas mehr. Das sind normale Schwankungen. Zum Glück gab es keine größeren Probleme.“

Der interne Übergang verlief ebenso reibungslos. Die Schweizer Belegschaft – mit ihrer eigenen kulturellen Dynamik, auf die Rohr mit einem Lächeln anspielt: „Man kann von einem Schweizer nicht wirklich erwarten, dass er sagt: ‚Ein Deutscher als Chef – das wollte ich schon immer.‘“ – nahm die neue Führung offen an. „Wir haben uns aneinander gewöhnt.“ Die Mitarbeiterbeurteilungen sind durchweg konstruktiv.

Stephan Rohr, Inhaber der Cobianchi Liftteile AG, präsentiert auf den 43. Heilbronn Elevator Days.

Warum Cobianchi?

Als Rohr hörte, dass Rudolf Ramseier über einen Verkauf von Cobianchi nachdachte, setzte er sich hin und dachte voraus – zehn, zwanzig Jahre. „Kann man dann noch rein mechanische Sicherheitsausrüstung verkaufen? Es wird wohl immer schwieriger werden, rein mechanische Ausrüstung abzusetzen.“ Eine Pause. Dann die entscheidende Wendung: „Aber wenn man sie entsprechend anpasst – und Dinge einbringt, die es so noch gar nicht gibt: Bis heute hat es niemand geschafft, Elektronik und Sicherheitselektronik wirklich tief in die Sicherheitsausrüstung zu integrieren. Genau da liegt das Potenzial. Genau da kann man echten Mehrwert schaffen.“

Sein Ziel war nie, ein Unternehmen zu kaufen, das mechanische Sicherheitsausrüstung verkauft. „Ich möchte es transformieren – die Sicherheitsausrüstung sozusagen neu erfinden.“

"Home von intelligenten Sicherheitsausrüstungen“ — Die neue Vision

Dieser Grundgedanke ist seither zur Unternehmensphilosophie geworden. Cobianchis neue Vision lautet: „Home „Intelligente Sicherheitseinrichtungen.“ Hinter dieser Aussage verbirgt sich ein klares Ziel: Die Sicherheitseinrichtungen sollen nicht länger nur auf Übergeschwindigkeit reagieren. Sie sollen die Aufzugsinstallation sicherer machen. Sie sollen Wartung und Inspektion sicherer gestalten. Und sie sollen sich mit neuen normativen Anforderungen weiterentwickeln: Schutz vor unbeabsichtigter Kabinenbewegung (UCM), voraktivierte Stoppsysteme, verkürzte Schachtpuffer und Installationsüberwachung.

„Die Schutzausrüstung ist die letzte Verteidigungslinie. Und sie muss halten.“ Für Rohr ist das keine Marketingfloskel – es ist eine Verpflichtung, die er aus eigener Erfahrung bekräftigt. Früher, während seiner Zeit bei Elgo, wurde er einmal gefragt: „Würden Sie Ihren Kopf auf den Puffer legen, wohl wissend, dass der Sensor abschaltet?“ Seine Antwort: „Nicht meinen Kopf – der ist mir zu wertvoll und heilig. Aber meinen Daumen? Ja.“

Nun stellt er sich dieselbe Frage – diesmal in Bezug auf seine eigenen Produkte: „Würden wir in einen Aufzug steigen, der mit einer Sicherheitsausrüstung von Cobianchi ausgestattet ist?“ Diese Frage muss während der Entwicklung mit Ja beantwortet werden – erst dann wird das Produkt zertifiziert. „Das war mein Standard bei Elgo. Das ist der Standard bei Cobianchi.“

Mechatronik im Förderschacht: Was die Sensoren liefern

Rohrs Präsentation in Heilbronn war kein Konzeptpapier, sondern ein Fortschrittsbericht. Die mechatronische Sicherheitsausrüstung zum Schutz des Servicepersonals im Förderschacht ist ein direktes Ergebnis der neuen strategischen Ausrichtung.

Der technische Kern: Anstatt passiv auf eine Geschwindigkeitsüberschreitung zu warten, kann die mechatronische Sicherheitsvorrichtung aktiv an der Führungsschiene angebracht werden – und greift sofort aus dem Stillstand ein. „Wenn ich den Wagen in Betriebsposition bringe, kann ich die Sicherheitsvorrichtung an der Schiene anbringen. Sie greift sofort aus dem Stillstand ein. Das bietet deutlich mehr Sicherheit, als den Wagen im Leerlauf stehen zu lassen und auf eine Geschwindigkeitsüberschreitung zu warten.“

Das Feedback ist direkt ablesbar: Eine LED im Verteilerkasten des Wagens zeigt den genauen Status in Echtzeit an – offen, auf der Schiene, eingerastet, Einrastrichtung. „Wir kennen es genau – und dieser Wert ist verlässlich.“ Keine Schätzung. Keine indirekte Beobachtung über andere Parameter.

Für Rohr deutet dies auf ein systemisches Problem in der Branche hin: „Tatsächlich lässt sich von außen nicht schnell und direkt überprüfen, ob eine Sicherheitsausrüstung noch sicher ist. Man kann zwar im Aufzugsprotokoll nachsehen – aber das sind alles nur indirekte Schätzungen. Und wir wollen dazu beitragen, das zu ändern.“

Sicherheitselektronik in Schutzausrüstung integriert PC13

Die Grenze der KI: Wo Fakten enden und Statistiken beginnen

Rohr zieht eine klare, ingenieurtechnische Grenze – und das ganz bewusst. Für die Sicherheit braucht man harte, direkte Werte. „Bei der Sicherheitsausrüstung eines einzelnen Aufzugs will ich genau wissen: Sie ist noch funktionsfähig und hat fünfmal ausgelöst. Nicht: Sie könnte fünfmal ausgelöst haben, weil sie seit drei Jahren installiert ist. Das muss eine unumstößliche Tatsache sein.“

KI – verstanden als Statistik und Mustererkennung – kann auf einer höheren Ebene sinnvolle Aufgaben übernehmen: Flottenmanagement, Verschleißanalyse und Auswertung von Zehntausenden von Installationen. „Bei 40,000 PC100-Installationen kann ich natürlich statistische Analysen in der Cloud durchführen – wie oft hat das System durchschnittlich ausgelöst, wie sieht das Verschleißprofil aus? Für die Sicherheitsausrüstung eines bestimmten Aufzugs zu einem bestimmten Zeitpunkt ist das jedoch im Grunde irrelevant.“

Sein Kernprinzip hat er in einem einzigen Satz zusammengefasst, dessen Gültigkeit weit über Aufzüge hinausgeht: „Wenn etwas sicher sein muss, muss es einfach sein. Denn sobald man eine große Komplexität einführt, kann man auch eine große Anzahl von Fehlern einführen.“

Die Debatte in Heilbronn – ob KI in sicherheitskritischen Komponenten noch Zukunftsmusik ist – betrachtet Rohr differenziert. Die Grenze zwischen reinen Steuerungssystemen und sicherheitsrelevanten Komponenten wird sich verschieben. „Ich sage nicht, dass es nicht so weit kommen wird. Ich sage nur: Wir müssen uns damit auseinandersetzen, wie wir diese Grenze zu gegebener Zeit richtig ziehen.“

Bestehende Installationen sind kein Hindernis – sie sind das Geschäft.

Die Integration neuer Sicherheitssysteme in bestehende Anlagen wird oft als technische Hürde dargestellt. Rohr stellt diese Sichtweise völlig auf den Kopf: „Es ist genau umgekehrt.“ Die mechatronischen Lösungen von Cobianchi sind speziell für den Einsatz in bestehenden Anlagen ohne umfangreiche bauliche Veränderungen entwickelt. Modernisierung ist daher kein Nischenthema – sie ist das zentrale Marktversprechen.

Ausblick bis 2027: Vom Prototyp zum Serienprodukt

Die Prototypen wurden vorgestellt. Die Funktionalität wurde demonstriert. Jetzt beginnt die entscheidende Phase. „Wir haben die Prototypen und die Funktionalität präsentiert – jetzt müssen wir liefern. Wir befinden uns im Zertifizierungsprozess. Zahlreiche Vortests wurden bereits abgeschlossen, und nächstes Jahr werden wir zertifizierte Produkte ausstellen.“

Das Ziel für die 44. Heilbronner Aufzugstage im Jahr 2027: serienreife Produkte, die sofort gekauft und eingesetzt werden können – mit ersten Praxiserfahrungen.

Über die Cobianchi Liftteile AG

Hauptsitz: Schweiz
Unter jetziger Eigentümerschaft seit: 2025
Inhaber: Stephan Rohr
Hintergrund: Elgo (Schachtinformationssysteme, Sicherheitselektronik)
Kernprodukt: Mechanische und mechatronische Sicherheitsausrüstungen
Vision: "Home von intelligenter Sicherheitsausrüstung“
Strategischer Fokus: Vorgesteuerte Stoppsysteme, Schutz des Servicepersonals, Nachrüstung bestehender Anlagen
Nächster Meilenstein: Zertifizierung mechatronischer Sicherheitsausrüstung; serienreife Produkte bis HBAT 2027
Normativer Kontext: PESSRAL, UCM, EN 81-20, ISO 8100-1, SIL3-Integration

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