Vom Burgenland in die Welt
By Sascha Göbel | Firmen-Spotlight | Dezember 5, 2025
20 Minuten zum Lesen
In Neutal im Burgenland entwickelte sich Aufzüge Friedl von einem Ein-Mann-Modernisierungsbetrieb zu einem Aufzugshersteller mit über 100 Mitarbeitern und rund 200 installierten Einheiten pro Jahr. Firmengründer Jürgen Friedl und Experte Gernot Einsiedler vereinten technische Kompetenz und regulatorisches Know-how, um den TÜV-typgeprüften Compact 2.4 und ein IoT-Steuerungssystem zu entwickeln, das vorausschauende Wartung und lokale, DSGVO-konforme Datenverarbeitung ermöglicht. Vertikale Integration und interne Schulungen ermöglichen maßgeschneiderte Lösungen für Österreichs historische Gebäude, während Compact Liftsystems über Partner international expandiert. Stetiges, kontrolliertes Wachstum, regionale Kundennähe und Systemkompetenz positionieren das Unternehmen als Hidden Champion, der die Aufzugsmodernisierung, die Nachfrage nach Hausaufzügen und die digitale Transformation in Nischenmärkten maßgeblich prägt.
Wie Aufzüge Friedl die österreichische Aufzugstechnik neu definiert und sich als „Hidden Champion“ etabliert
In Neutal im Burgenland, Österreich, nur knapp 15 km von der ungarischen Grenze entfernt, vollzieht sich etwas Bemerkenswertes: Während die vier großen Aufzugshersteller die Weltmärkte dominieren, schreibt ein mittelständisches Familienunternehmen – die Aufzüge Friedl GmbH (AF) – seine eigene Erfolgsgeschichte. Was Jürgen Friedl 2004 als Ein-Mann-Modernisierungsbetrieb begann, hat sich mittlerweile zu einem der innovativsten Aufzugshersteller Österreichs entwickelt. Mit über 200 Neuinstallationen pro Jahr, mehr als 100 Mitarbeitern und einem eigenen IoT-Steuerungssystem (Internet der Dinge) vereint das Unternehmen technische Innovation mit fundierter Expertise. Gemeinsam mit Gernot Einsiedler, gerichtlich bestelltem Sachverständigen und Vertriebsleiter, verbindet das Unternehmen technische Innovation mit fundiertem Fachwissen.
Warum dieser Besuch im Burgenland mehr ist als nur ein Firmenbericht
Die Reise des Autors begann in Wien, wo er Gernot Einsiedler kennenlernte – einen Mann, dessen Name in österreichischen Fachkreisen hohes Ansehen genießt. Als vereidigter und gerichtlich anerkannter Sachverständiger für Aufzüge kennt er die Branche in- und auswendig: die technischen Details, die gesetzlichen Bestimmungen und die wirtschaftlichen Gegebenheiten. Seine private Initiative aufzugsberatung.com hat sich zu einer der maßgeblichsten deutschsprachigen Wissensquellen für Aufzugstechnik entwickelt – einer digitalen Enzyklopädie, die er ohne kommerzielle Interessen pflegt.
Gemeinsam reisten wir nach Neutal im Burgenland. Auf den ersten Blick mag die Werner-von-Siemens-Straße 7 wie eine gewöhnliche Industrieadresse wirken. Doch hinter dieser Adresse verbirgt sich eine Geschichte, die beispielhaft für den Wandel der europäischen Aufzugsindustrie steht: von der Abhängigkeit von internationalen Konzernen hin zur regionalen Eigenentwicklung, von der reinen Montage zur kompletten Produktionskette, von traditioneller Mechanik zu vernetzter Intelligenz.
Die unternehmerische Reise: Von der Leidenschaft zur vertikalen Integration
2004–2025: Eine Chronik des kontinuierlichen Wachstums
Jürgen Friedls Weg in die Selbstständigkeit folgte einer klaren inneren Überzeugung. „Meine Leidenschaft galt damals der Modernisierung alter Aufzugsanlagen“, erklärte er. „Ich hatte immer den Drang, mehr zu tun, und sah großes Potenzial in meinem Fachwissen.“ Der Zeitpunkt der Firmengründung im Jahr 2004 war bewusst gewählt: Sein eigenes Haus war fertig, und drei parallel laufende Projekte hatten ihm gezeigt, dass Arbeit für ihn keine Last, sondern eine Freude war. „Welche besseren Voraussetzungen gäbe es, um den Weg in die Selbstständigkeit zu wagen?“
Die Entwicklung liest sich wie ein Lehrbuchbeispiel für organisches Wachstum:
- 2004: Beginnen wir mit Modernisierungen; der Markt für bestehende Systeme bot einen idealen Einstiegspunkt.
- 2006: Erste Neuinstallationen; Übernahme der Geschäftstätigkeit eines Einzelunternehmens
- 2008Eigene Stahlkonstruktion; erste Schritte zur vertikalen Integration
- 2011: Erweiterung des Geschäfts mit einem Hausaufzug, um einen wachsenden Zukunftsmarkt zu erschließen
- 2014: Bau eines neuen Firmensitzes mit mehr als 4,000 m²2 Produktionsfläche und 700 m2 von Büroflächen
- 2015: Gründung der Compact Liftsystems GmbH mit eigener Produktionsstätte; strategische Trennung des Regionalgeschäfts und des internationalen Systemgeschäfts
- 2016: TÜV Austria typgeprüfter maschinenraumloser (MRL) Traktionsaufzug, ein technologischer Durchbruch
- 2020: IoT-Steuerungssystem mit vernetzter Komponentenüberwachung; Pionierarbeit in der digitalen Transformation
Philosophie des kontrollierten Wachstums
Was unterscheidet AF von vielen anderen gescheiterten Expansionsgeschichten? Laut Friedl:
„Ehrgeiz, harte Arbeit, positives Denken und Bodenständigkeit sind wichtige Faktoren für Wachstum. Das Wachstum war kontinuierlich und stets beherrschbar. Solange man nicht größenwahnsinnig wird und es nicht über Nacht geschieht, kann man durch gute Arbeit die nötigen Strukturen und die Stabilität schaffen, um dieses Wachstum zu tragen.“
Diese Philosophie spiegelt sich in den Zahlen wider: Von einer Person auf über 100 Mitarbeiter in 20 Jahren bedeutet das durchschnittlich fünf neue Mitarbeiter pro Jahr – ein Tempo, das organisatorisch gut zu bewältigen ist. Die Investition von 5 Millionen Euro (5.7 Millionen US-Dollar) in den neuen Firmensitz in Neutal im Jahr 2014 basierte auf einer gesunden Geschäftsentwicklung und nicht auf spekulativer Überexpansion.
Technologischer Quantensprung: IoT und Eigenentwicklung
Die IoT-Revolution von 2020: Wenn die Branche stillsteht, handeln Sie!
„Das Internet der Dinge (IoT) hat in den letzten Jahren Fortschritte gebracht. Es ist bereits in allen Branchen integriert“, stellte Friedl nüchtern fest. Die Aufzugsbranche hingegen habe sich nicht weiterentwickelt, sagte er. „Eigentlich hatte ich immer vor, das auch in Aufzügen umzusetzen“, fuhr er fort. „Aber da die Branche zu langsam war, musste ich die Sache selbst in die Hand nehmen.“
Diese Beobachtung trifft den Kern eines Branchenproblems: Während IoT-Lösungen in der Automobilindustrie, im Maschinenbau und sogar in der Gebäudetechnik längst Standard waren, verharrte die Aufzugsbranche in traditionellen Wartungsmodellen. Große Hersteller konzentrierten sich auf proprietäre Cloud-Plattformen mit hohen Lizenzgebühren, während kleine und mittlere Unternehmen (KMU) oft weder über die technischen Kapazitäten noch über das Budget für Eigenentwicklungen verfügten.
Technische Bewertung
Das von Friedl mitentwickelte IoT-Steuerungssystem geht über die klassische Fernüberwachung hinaus. Anstatt lediglich Fehlermeldungen zu übermitteln, werden alle Komponenten kontinuierlich überwacht, Daten verglichen und Fehlerquellen frühzeitig erkannt – bevor es zu Ausfällen kommt. Dies entspricht dem Konzept der vorausschauenden Wartung, das in der Industrie 4.0 als Goldstandard gilt, aber in der Aufzugstechnik bisher nur von wenigen Herstellern konsequent umgesetzt wird.
Typgeprüfter Vertrag 2.4: Strategische Unabhängigkeit durch Systemkompetenz
Die Entscheidung, 2015/2016 ein komplettes Aufzugssystem im eigenen Haus zu entwickeln, war mutig – und überaus vernünftig. Dieses System führte bald zur Gründung eines separaten Partnerunternehmens: der Compact Liftsystems GmbH. „Angesichts unserer damaligen Größe bestand die große Sorge, dass es im Falle eines Lieferantenausfalls schwierig werden würde, einen Ersatz zu finden und das System wieder zu integrieren“, erklärte Friedl.
Die strategischen Überlegungen dahinter:
- Lieferantenrisiko minimieren: Die Abhängigkeit von wenigen Systemlieferanten bedeutet Anfälligkeit.
- Technische Flexibilität gewinnen: „Dass wir alle Informationen und Komponenten in unseren eigenen Räumlichkeiten haben und diese selbst modifizieren können, bringt enorme Vorteile.“
- Qualitätsmängel beseitigen: Die Eigenentwicklung ermöglichte es, „alles, was mich an bestehenden Lieferanten störte, in die Entwicklung und Implementierung zu integrieren“.
- Langfristige Wirtschaftlichkeit: „Die Entwicklungskosten sind enorm und amortisieren sich erst nach vielen Jahren.“
Die TÜV Austria-Prüfung war nicht nur eine gesetzliche Vorgabe, sondern auch ein Bekenntnis zu Qualität. Im Gegensatz zu vielen asiatischen Standardprodukten, die billige Bauteile verwenden, entschied sich Friedl für ein System, das die europäischen Sicherheits- und Qualitätsstandards vollständig erfüllt und gleichzeitig standardisierte, wartungsfreundliche Komponenten nutzt.
Vertikale Integration als strategischer Vorteil
Friedl beantwortete die Frage der optimalen vertikalen Integration pragmatisch:
„Um flexibel zu bleiben, ist es für uns wichtig, so viel wie möglich selbst zu produzieren. Es macht jedoch keinen Sinn, Standardprodukte, die in großen Mengen hergestellt werden, wie Motoren oder Aufzugstüren, selbst zu fertigen.“
Die aktuelle Abteilung besteht aus:
- Eigenfertigung: Stahltürme, Sonderkonstruktionen, Steuerungssysteme, Kabinenbau
- Beschaffung: Motoren, Standardtüren, elektrische Bauteile, Sicherheitsbauteile
Diese Strategie ermöglicht eine maximale Anpassungsfähigkeit an historische Gebäude – eine Besonderheit Österreichs, auf die später noch eingegangen wird – und gleichzeitig eine wirtschaftliche Produktion von Standardsystemen.
Marktpositionierung: Regional verwurzelt, international expandierend
Das Zwei-Marken-Modell: Friedl und Compact Liftsystems
Die strategische Aufteilung in zwei Unternehmen war mehr als nur eine rechtliche Formalität. Im Folgenden finden Sie eine Aufschlüsselung der jeweiligen Unternehmensstruktur:
VON:
- Schwerpunkt: Ostösterreich (Wien, Niederösterreich, Burgenland, Steiermark)
- Leistungen: Komplettservice von der Planung über die Installation bis hin zur Wartung
- Stärken: Regionalkenntnisse, persönliche Betreuung, schnelle Reaktionszeiten
- Projektvolumen: Ungefähr 200 Neuinstallationen pro Jahr
Compact Liftsystems GmbH:
- Schwerpunkt: Internationale Systemverteilung
- Produkt: Typgeprüfter Compact 2.4 mit hohem Vormontagegrad
- Marktgebiet: Ganz Europa, Mittelamerika, Afrika und die VAE
- Geschäftsmodell: Partnerunternehmen mit technischem Support
Laut Friedl:
„Der Compact Lift wurde entwickelt, um die Abhängigkeit von Aufzugslieferanten zu beseitigen. Um außerdem einen qualitativ hochwertigen Aufzug mit vielen technischen Details anbieten zu können, wurde ein hoher Vormontagegrad und eine vereinfachte Installation für die Expansion auf nationalen und internationalen Märkten integriert.“
David gegen Goliath
Die Frage liegt auf der Hand: Wie kann ein Unternehmen aus dem Burgenland mit mehr als 200 Neuinstallationen pro Jahr mit globalen Konzernen konkurrieren, die allein in Österreich ein Vielfaches davon installieren?
Friedls Antwort ist eindeutig:
„Der Markt ist vorhanden. Kundennähe, persönliche Beratung, Qualität und unsere unübertroffene Expertise sind entscheidende Faktoren. Und natürlich die Überzeugung von regionalen Produkten und Wertschöpfung.“
Marktanalyse
Diese Positionierung trifft einen Nerv, der in Zeiten von Lieferkettenkrisen und Nachhaltigkeitsdiskussionen immer wichtiger wird. Während große Hersteller zunehmend auf globale Beschaffung und standardisierte Prozesse setzen, punktet Friedl mit Folgendem:
- Reaktionsgeschwindigkeit: Kurze Entscheidungsprozesse, keine Konzernhierarchien
- Technische Individualität: Jedes Projekt wird individuell geplant und nicht aus einem Katalog zusammengestellt.
- Wartungsnähe: Eigener Wartungsservice, keine externen Subunternehmer
- Kulturelle Passung: Kenntnisse der österreichischen Bauvorschriften, des Denkmalschutzes und regionaler Besonderheiten
Dieser Ansatz entspricht dem internationalen Trend zu „Hidden Champions“ – mittelständischen Unternehmen, die in Nischenmärkten zu Weltmarktführern werden. Friedl scheint auf dem besten Weg zu sein, genau diese Rolle im Segment der „MRL-Traktionsaufzüge mit IoT-Steuerungssystemen“ für europäische KMU einzunehmen.
Gernot Einsiedler: Sachverständigenzeugenperspektive
Mehr als zwei Jahrzehnte Branchenerfahrung und eine persönliche Mission
Gernot Einsiedler ist eine Institution in der österreichischen Aufzugsbranche. Seit Dezember 2004 ist er als vereidigter und gerichtlich bestellter Sachverständiger tätig und verfügt über Expertise, die weit über technisches Wissen hinausgeht. Zu seinen Stationen zählen die Leitung der technischen Beratung beim TÜV Austria und aktuell die Position des Vertriebsleiters bei AF – eine Kombination, die ihm einen umfassenden Überblick über die Branche ermöglicht.
Besonders hervorzuheben ist seine Website aufzugsberatung.com, die er als rein private Initiative betreibt. „Die Website soll Klarheit im Dschungel der Aufzugsanlagen, Normen und Gesetze schaffen und die Vor- und Nachteile von Traktions- und Hydraulikaufzügen, Austauschsystemen, Modernisierung, Wartung usw. erläutern“, erklärte er die Zielsetzung.
Diese Website ist nicht nur eine Wissenssammlung, sondern ein Zeugnis seiner Leidenschaft für den Beruf. Artikel über Systeme zur Verhinderung unbeabsichtigter Kabinenbewegungen (UCM), Erdbebensicherheit gemäß EN 81-77, Lärmschutz, Energieeffizienz und Hunderte weiterer Themen machen sie zu einer Art deutscher Wikipedia der Aufzugstechnik.
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In einer Branche, die oft von kommerziellen Interessen geprägt ist, ist Einsiedlers unabhängige Expertise an sich schon wertvoll. Seine Doppelfunktion als Sachverständiger und Vertriebsleiter mag auf den ersten Blick wie ein Interessenkonflikt erscheinen, doch das Gegenteil ist der Fall: Fachliche Kompetenz fließt direkt in die Produktentwicklung und Kundenberatung ein, während seine praktische Vertriebserfahrung seine Gutachten realitätsnah macht.
Österreichischer Aufzugsmarkt: Besonderheiten und Herausforderungen
Historische Gebäude als tägliche Herausforderung
„Historische Gebäude stellen immer eine Herausforderung dar“, stellte Friedl lakonisch fest. Diese zurückhaltende Bemerkung verschleiert eine komplexe Realität: Österreich, insbesondere Wien, besitzt einen der wertvollsten historischen Gebäudebestände Europas. Die Integration von Aufzügen in Gebäude aus der Wilhelminischen Ära, barocke Paläste oder mittelalterliche Stadtstrukturen erfordert:
- Einhaltung der Denkmalschutzbestimmungen: Fassaden dürfen oft nicht verändert werden.
- Probleme beim Denkmalschutz: Alte Treppenhäuser mit nicht standardisierten Abmessungen
- Statische Beschränkungen: Tragfähigkeitsgrenzen für historische Deckenkonstruktionen
- Minimaler Eingriff: Installation in bestehenden Treppenhäusern ohne bauliche Veränderungen
Hier kommt die Stärke der hauseigenen Fertigung von AF zum Tragen: „Wir produzieren Stahltürme – die immer sehr unterschiedlich sind – oder spezielle Aufzugskonstruktionen“, sagte Friedl. „Das macht uns sehr flexibel und einzigartig.“
Alternde Aufzugsaktien: Modernisierung als Wachstumsmarkt
Österreich verfügt über einen Aufzugsbestand, dessen Durchschnittsalter stetig steigt. Wie Einsiedler auf seiner Website ausführlich erläutert, durchlaufen Aufzugsanlagen „wie jede andere technische Maschine auch während des Betriebs einen Lebenszyklus“. Immer häufiger stellt sich daher die Frage: „Modernisierung oder Austausch?“
Die Entscheidungskriterien haben sich in den letzten Jahren weiterentwickelt und umfassen nun Folgendes:
- Regulatorische Anforderungen: UCM-Nachrüstung, Brandmeldeanlagen, Energieeffizienz
- Wirtschaftliche Rentabilität: Wartungskosten für alte Systeme im Vergleich zu Investitionen in neue Systeme
- Komfort und Zugänglichkeit: Die gesellschaftlichen Erwartungen steigen.
- Verfügbarkeit: Ersatzteile für ältere Systeme werden immer kritischer.
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Die Weiterentwicklung von Normen und die damit verbundenen Nachrüstungsverpflichtungen werden die Modernisierungswelle in den kommenden Jahren weiter vorantreiben. Die Positionierung von AF mit IoT-Überwachung und eigener Komponentenfertigung ist hier strategisch klug. Während viele andere Anbieter auf Komplettaustausch setzen, bietet Friedl auch Hybridlösungen an – moderne Steuerungssysteme mit selektiver Komponentenmodernisierung.
Innovations- und Zukunftsthemen
Home Aufzüge: Ein unterschätzter Wachstumsmarkt
„Angesichts der heutigen Baukosten stellen Hausaufzüge nur einen geringen Kostenfaktor dar. Sie steigern den Wert des Gebäudes“, erklärte Friedl. „Dieser Markt wird aufgrund der Immobilienpreise und der alternden Bevölkerung weiterhin stark wachsen.“
Diese Einschätzung ist demografisch fundiert: Die Bevölkerung Österreichs über 65 Jahre wird bis 2050 auf mehr als 2.5 Millionen anwachsen (Statistik Austria). Gleichzeitig steigen die Immobilienpreise stetig, wodurch mehrgeschossige Einfamilienhäuser attraktiv werden. Der Hausaufzug entwickelt sich vom Luxusartikel zum Standard.
AF bietet mittlerweile eine ausgereifte Produktpalette an, von kompakten Innenaufzügen bis hin zu vollverglasten Außenaufzügen.
Nachhaltigkeit: Pragmatismus statt Greenwashing
Friedl vertritt eine neue Position zu Nachhaltigkeitsfragen. Er erklärte:
„Nachhaltigkeit sollte bei Aufzügen ein zentrales Thema sein, da sie auf eine jahrzehntelange Lebensdauer ausgelegt sind. Die Energieeffizienz ist heutzutage bereits sehr weit fortgeschritten, aber ich würde es nicht übertreiben. Meiner Meinung nach gehen manche Entwicklungen etwas zu weit und bringen keinen langfristigen Nutzen. Es wäre besser zu überlegen, ob es nicht gelegentlich sinnvoller wäre, die Treppe zu nehmen.“
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Diese Haltung ist aus technischer Sicht richtig. Moderne Mehrwegaufzüge mit Gegengewichten und regenerativen Antrieben erreichen bereits die Energieeffizienzklassen A und B gemäß VDI 4707. Weitere technische Optimierungen bringen nur geringfügige Verbesserungen bei potenziell unverhältnismäßig hohen Kosten. Die tatsächliche Nachhaltigkeitsleistung liegt in Folgendem:
- Langlebigkeit: über 30 Jahre Lebensdauer
- Reparierbarkeit: Austauschbare Komponenten statt Einwegprodukte
- Regionalität: Kurze Transportwege, lokale Wertschöpfung
Hier liegt die Stärke von AF: Die Produkte sind auf eine Lebensdauer von Jahrzehnten ausgelegt, anstatt dass eine geplante Obsoleszenz eingebaut wird.
IoT und vorausschauende Wartung: Stand der Technik oder noch ein Zukunftstraum?
„Das IoT sollte heute auf dem neuesten Stand der Technik sein“, betonte Friedl. „Wir sind bereits sehr weit fortgeschritten, aber meiner Meinung nach sind die Möglichkeiten noch lange nicht ausgeschöpft, sodass es immer Raum für weitere Entwicklungen geben wird.“
Neue Entwicklungstrends
Diese umfassen:
- Fortschrittliche Sensortechnologie: Nicht nur Fehlermeldungen, sondern kontinuierliche Verschleißüberwachung
- KI-gestützte Analyse: Maschinelles Lernen zur Ausfallvorhersage
- Integration in intelligente Gebäude: Aufzüge als Teil der Gebäudeautomation
- Energiemanagement: Dynamische Lastverteilung in Gebäuden mit mehreren Systemen
Kritische Betrachtung
Die Herausforderung liegt nicht in der Technologie, sondern im Datenschutz und der Datensouveränität. Wem gehören die Aufzugsdaten? Wie werden sie gespeichert? Welchen Zugriff haben Dritte? Hier haben europäische KMU wie AF einen Vorteil gegenüber US-amerikanischen oder chinesischen Cloud-Plattformen: DSGVO-konforme, lokale Datenspeicherung ohne Zugriff Dritter.
Ausbildung und Fachkräfte: Eine strategische Antwort auf den Fachkräftemangel
Interne Schulungen als Wettbewerbsvorteil
„Gute Fachkräfte zu finden und einzustellen ist schwierig“, sagte Friedl. „Deshalb haben wir uns entschieden, unsere Mitarbeiter selbst auszubilden, was unser Wachstum ermöglicht.“
Diese Entscheidung ist mehr als eine praktische Notwendigkeit – sie ist eine strategische Positionierung. Während viele Unternehmen der Branche über Fachkräftemangel klagen und Mitarbeiter von der Konkurrenz abwerben, entwickelt AF seine eigenen Talente durch:
- Firmenspezifisches Know-how: Kenntnisse über firmeneigene Produkte von Anfang an
- Unternehmenskultur: Identifikation mit den Unternehmenswerten
- Langfristiges Engagement: Höhere Loyalität als bei Quereinsteigern
Neue Anforderungsprofile: IT trifft Mechanik
„Die Anforderungen haben sich in den letzten zehn Jahren etwas verändert“, bemerkt Friedl. „Aufzugstechniker müssen neben mechanischen und elektrischen Kenntnissen auch über IT-Kenntnisse verfügen. In der Aufzugsbranche wird immer mehr IT-Wissen benötigt.“
Dieser Wandel ist in der gesamten Branche zu beobachten: Der klassische Aufzugstechniker, der über Kenntnisse in Hydraulik, Mechanik und Elektrotechnik verfügte, ist heute ein „Mechatronik 4.0“-Techniker mit zusätzlichen Fähigkeiten in folgenden Bereichen:
- Netzwerktechnologie: IP-basierte Steuerung, IoT-Konnektivität
- Softwarediagnose: Fehleranalyse mithilfe von Diagnosesoftware
- Datenanalyse: Interpretation von Sensordaten und Wartungsprotokollen
Auswirkungen auf die Bildungspolitik
Die duale Berufsausbildung in Österreich muss diesem Beispiel folgen. Die Lehrpläne für Aufzugsmonteure und Servicetechniker sollten IT-Module integrieren, die über die reine Computerbedienung hinausgehen. Die hauseigene Ausbildung von AF ist in diesem Bereich wegweisend und könnte als Vorbild für die gesamte Branche dienen.
Internationale Perspektive: interlift 2025 und Messestrategien
Nürnberg statt Augsburg: Eine neue Ära des Interlifts
Die interlift, die seit 1991 alle zwei Jahre stattfindende Leitmesse für Aufzüge, veranstaltete 2025 (14.–17. Oktober) erstmals in Nürnberg. Mit über 500 nationalen und internationalen Ausstellern fand die Messe in einem der modernsten Messegelände Deutschlands, der Nürnberg Messe, statt.
Friedls Haltung gegenüber Messen ist bemerkenswert vernünftig:
„Die Messe ist für uns nicht wirklich wichtig. Wir erfahren technische Innovationen immer sehr schnell oder entwickeln sie selbst. Sie bietet jedoch eine gute Gelegenheit, Freunde, Geschäftspartner und Hersteller zu treffen und Ideen auszutauschen.“
Nach den Erfahrungen des Autors auf Messen teilen viele technologieorientierte KMU diese Einstellung. Während große Konzerne Messen für Produkteinführungen und Marketing nutzen, sehen Hidden Champions sie als Netzwerkplattformen. Ob mit oder ohne Messestand: Besuchen Sie die Messe, führen Sie Gespräche, sammeln Sie Marktinformationen und knüpfen Sie strategische Partnerschaften.
Globale Expansion: Das Compact Liftsystems Netzwerk
„Wir haben bereits weltweit mehrere Partner, die mit Compact Liftsystems zusammenarbeiten. Dieser Bereich soll in den kommenden Jahren ausgebaut werden“, sagte Friedl und skizzierte eine Strategie, die die bestehenden Märkte einbezieht:
- Europa: Umfassende Partnerpräsenz
- Mittelamerika: Erste Installationen
- Afrika: Selektive Marktentwicklung
- VAE: Premiumsegment
Die Strategie ist bewusst selektiv: AF bedient den lokalen Markt in Ostösterreich, so Friedl. Compact Liftsystems hingegen beliefert ausgewählte Partner weltweit.
Diese duale Strategie minimiert Risiken. Lokale Unternehmen sichern Cashflow und Erfahrung, während internationale Unternehmen durch Partner ohne eigene Tochtergesellschaften wachsen. Dieses Modell entspricht dem „glokalen“ Ansatz (global denken, lokal handeln), der sich bei Hidden Champions bewährt hat.
Zehn Jahre voraus: Zukunftsperspektiven für 2035
Die Vision für AF
„AF wird auch weiterhin das regionale Aufzugsunternehmen in Österreich bleiben“, erklärte Friedl bescheiden. Doch zwischen den Zeilen zeichnet sich eine ambitionierte Agenda ab: Marktführer in Ostösterreich zu werden, ein Premiumanbieter für historische Gebäude und Innovationstreiber für IoT-Lösungen.
Die Vision für kompakte Aufzugssysteme
„Compact Liftsystems wird über ein großes internationales Netzwerk und zahlreiche Partnerunternehmen weltweit verfügen“, sagte Friedl. Ziel sind mehr als 50 Partner auf fünf Kontinenten mit einem Standardprodukt für mittelständische Aufzugshersteller weltweit.
Was sich grundlegend ändern wird
Basierend auf den Interviews des Autors und seiner Branchenkenntnis zeichnen sich folgende Trends ab:
- Vollständige IoT-Durchdringung: Kein Neubau ohne vernetzte Steuerungssysteme
- KI-gestützte Wartung: Vorausschauende Modelle statt reaktiver Reparaturen
- Energieautarkie: Aufzüge mit eigener Energieerzeugung und -speicherung
- Robotik in der Installation: Automatisierte Installationssysteme
- Blockchain für Wartungsprotokolle: Manipulationssichere Dokumentation für Sachverständige
Abschließende Bewertung Ihres Autors
Ich bin beeindruckt von der Konstanz, mit der AF seinen Weg geht. In einer von Konzernstrukturen geprägten Branche beweist das Unternehmen, dass Innovation und Kundenorientierung auch von KMU kommen können – und müssen. Die Kombination aus Jürgen Friedls unternehmerischem Gespür und Gernot Einsiedlers technischem Know-how schafft eine in der Branche seltene Synergie. Hier verbindet sich praxisorientierte Produktentwicklung mit fundiertem regulatorischem Wissen und regionaler Marktkenntnis mit internationaler Perspektive.
Für die internationale Aufzugsbranche ist AF ein Beispiel dafür, wie KMU in Zeiten des Umbruchs und der Digitalisierung nicht nur überleben, sondern florieren können, indem sie den Mut haben, eigene Produkte zu entwickeln, sich auf ihre Kernkompetenzen konzentrieren und sich bewusst sind, dass die besten Innovationen oft dort entstehen, wo man dem Kunden am nächsten ist.



