Wohnen trifft auf Technologie
By Undine Stricker-Berghoff | Wohnaufzüge | Januar 1, 2022
12 Minuten zum Lesen
Future Living Berlin in Adlershof vereint Barrierefreiheit und generationsübergreifendes Wohnen mit integrierten digitalen Systemen für mehr Komfort, Sicherheit und Effizienz. Schindler lieferte acht Aufzüge und die PORT/myPORT-Plattform, die den Zugang zu Eingang, Aufzug und Wohnung per Chipkarte oder App ermöglicht. Vorprogrammierte Aufzugsziele, Video-Identifizierung für Besucher und temporäre Zugangscodes sind ebenfalls enthalten – alles mit verschlüsselter Datenspeicherung und Betriebssupport. Die Anlage mit 90 Wohneinheiten bietet gemeinschaftliche Services wie einen per App buchbaren Bosch-Waschsalon, modulare Lagerräume, ein Flotten-Sharing-System für Elektrofahrzeuge, sechs Ladestationen, Photovoltaik mit Batteriespeicher und Panasonic-Wärmepumpen. Die Bewohner fühlen sich dem Viertel stark verbunden, es gab bisher keinen Vandalismus, und im Rahmen des ForeSight-Konsortiums wird kontinuierlich an KI-gestütztem Smart Living geforscht.
Das Quartier „Future Living® Berlin“ in Adlershof ebnet den Weg in die Zukunft.
Fotos von Hans-Wilhelm Berghoff
Mitte Juli ermöglichte der Aufzugshersteller Schindler als Technologiepartner, der die vertikale Mobilität für Deutschlands Wohnstandort „Future Living® Berlin“ in Adlershof geplant und realisiert hat, Ihrem Autor eine exklusive Tour durch die neue Nachbarschaft. Unter den Doppelaspekten „Barrierefreiheit“ und „Mehrgenerationen-Wohnen“ wurde das Areal von der Krebs-Gruppe im Auftrag der GSW Gesellschaft für Siedlungs- und Wohnungsbau Baden-Württemberg mbH entwickelt Homes), einem Mitglied des Sozialverbandes VdK Baden-Württemberg, durch die Datenvernetzung mehr Komfort, Sicherheit und Zeitersparnis für die Bewohnerinnen und Bewohner zu schaffen.
Das Quartier wurde mit dem DEKRA Award Safety 2019 und dem Zukunftspreis der Deutschen Immobilienwirtschaft 2021 ausgezeichnet.
Schindler Deutschland stand während des Rundgangs für Fragen zur Aufzugstechnik zur Verfügung. Die Mitarbeiter des Unternehmens vor Ort waren:
- Jürgen Blank, Leiter Projektgeschäft und Neue Technologien
- Mario Volkmann, Projektleiter, Implementierung Digitale Systemlösung PORT
- Candy Leistikow, Fachspezialistin für Planung, Bau und Betrieb der PORT-Anlage
- Bianca Berger, externe Kommunikationsmanagerin.
Stellvertretend für Bauherr, Eigentümer und Betreiber war Birgid Eberhardt, Geschäftsführerin, Smart Home Abteilung der GSW Gesellschaft für Siedlungs- und Wohnungsbau Baden-Württemberg.
Schlängelnde Pfade über das Gelände
Bis Herbst 2019 wurden auf rund 90 m² 12 Wohn- und 8,000 Gewerbeeinheiten – zum Beispiel ein multikultureller Kindergarten und ein Nagelbad – errichtet2 der Grundfläche. Alle Angebote sind zur Miete mit einer Grundmiete von 13 Euro/m² ausgewiesen2, das knapp unter dem Mietspiegel in Berlin-Adlershof von 14 EUR/m² liegt2.
Etwa ein Jahr nach Inbetriebnahme bewohnt das neue Wohnkonzept nun eine bunte Mischung aus Studenten, Singles, Familien (mit insgesamt etwa 50 Kindern) und Senioren. Bei Einzug wurden ihre Vorkenntnisse und Erwartungen zum Thema „Smart Home“ über Fragebögen erhoben. Eine begleitende authropologische Forschung zeigt, wie der Alltag durch die Nachbarschaft geprägt wird und umgekehrt. Es besteht eine kontinuierliche Zusammenarbeit zwischen Vermieter und Mietern. Diese starke Identifikation der Bewohner mit ihrem Quartier spiegelt sich darin wider, dass es null Vandalismus gibt. Manche Mieter kommen wegen der Lage, manche wegen der Smart-Building-Dienste. Beim Einzug erwartet die Mieter eine „Wohnungsbibel“ mit einer Beschreibung der technischen Ausstattung in Papierform sowie in elektronischer Form im Bedienterminal.
Die 15 Gebäude auf dem Gelände, die dem KfW40-Energiestandard entsprechen, wurden in Stahlbeton mit Dämmung errichtet. Alle Haus- und Wohnungseingänge sowie die Tiefgarage sind an das digitale Zutrittssystem Schindler PORT angeschlossen. Die Gebäude haben keine Balkone, aber französische Fenster mit französischen Balkonen. Die Mieter nutzen die Freiflächen zwischen den Häusern ausgiebig zum Spielen und Picknicken. Die Dachflächen der kleineren Häuser sind begrünt; Es wird kein Oberflächenwasser in die Kanalisation eingeleitet.
Die Siedlung weist Servicebesonderheiten auf, die während der Tour sichtbar werden:
- Da das Grundwasser nur 70 cm unter der Oberfläche liegt, wurden oberirdische Keller gebaut. Als Eigenentwicklung entsteht ein umgebautes Hochregallager, in dem Module beweglichen Stauraum für die Mieter bieten. Darüber hinaus gibt es feste Staufächer mit jeweils zwei über 2 m² teilbaren Metallplatten2, sowie nachträglich installierte Gitterboxen.
- Zentrales Paketdepot
- Öffentliche Wäschestation von Bosch WeWash, mit je zwei Waschmaschinen und Trocknern. Diese können über eine App reserviert werden. Die App kann auch prüfen, ob die Maschinen frei sind und die Wäsche fertig ist. Die Abrechnung erfolgt ebenfalls über eine App.
- Barrierefreie Mülleimer dank Kippmechanismus.
Auf dem Weg zur Tiefgarage, die von einer wasserdichten Wanne umschlossen ist, fährt der Autofahrer bis zum Zugangsterminal Schindler PORT vor. Bei Grün geht der Fahrer auf einen der 35 Stellplätze in der Garage. Mieter können auch per Karte oder myPORT-App Zugang zur Garage erhalten; bei Bedarf kann der Zugang direkt von den Wohneinheiten aus gewährt werden.
In der Tiefgarage gibt es sechs Ladepunkte für Elektrofahrzeuge. Fünf sind für die fünf Smart Cars der FleetSharing-Flotte für Future Living Berlin von Mercedes reserviert, einer steht für Gäste zur Verfügung. Für den Elektro-Porsche eines Mieters und weitere Interessenten sind zwei weitere Ladepunkte in Arbeit.
Im gleichen Kellergeschoss befinden sich die beiden Serverräume, die mit Panasonic Kühlern in der Garage temperiert werden. Die Schindler-Datenbank befindet sich in einer etwa 30 x 50 x 15 cm großen Kiste an der Wand. Aus Sicherheitsgründen befinden sich innerhalb einiger Gebäude redundantere Datenbanken. In einem zweiten Raum befinden sich die großen Serverschränke für die Anbindung der Schindler-Datenbank sowie für alle anderen digitalen Lösungen im Gebäude. Auf der rechten Seite des Raumes sichtbare gelbe Glasfaserkabel werden auf die linke Seite des Raumes gepatcht und von dort auf die einzelnen Gewerke verteilt.
Der Weg zur Wohnung
„Das radikale Design sichert die Nutzung für alle: Türen entriegeln bei Annäherung, Licht geht an, rollstuhlgerechte Gebäude sind mit automatischen Türöffnern ausgestattet. Das ist die Zukunft!“ sagte Eberhardt. Diese Lösungen entstanden aus einem ersten Gespräch zwischen ihr und Blank am Rande einer Konferenz. In vielen Abstimmungsrunden wurden die Spezifikationen für die Aufzüge und die Zugangstechnik erarbeitet. Durch die enge Zusammenarbeit aller Beteiligten wurde die PORT-Lösung unter anderem vom Omnitower am Frankfurter Main zum bisher größten Wohngrundstück Deutschlands adaptiert.
Schindler lieferte für das Projekt acht seiner 3300 Aufzüge sowie Lösungen für die digitale Mobilität. Das RISE-Robotersystem wurde verwendet, um die Aufzüge schnell zu installieren.
Das Schindler Transit Management System PORT (group.schindler.com/de/unternehmen/innovationen/schindler-port.html) und die digitale Mobilitätslösung myPORT mit offenen Schnittstellen (www.schindler.com/de/internet/de/mobilitaetsloesungen/produkte/verkehrsmanagement/myport.html), hergestellt bei Schindler in Locarno, Schweiz, verbinden die Aufzüge, Haupteingangstüren und Wohnungstüren. Über feste Infoterminals in den Wohnungen und die myPORT App auf dem Smartphone bietet das System den Bewohnern eine komfortable und einfache Bedienung sowie zusätzliche Services.
Zugang zu Haus, Briefkasten im Foyer, Aufzug und Wohnung erhalten die Bewohner mit personalisierten Chipkarten oder elektronischen Schlüsseln (vier für eine kleine Wohnung, sechs für eine große Wohnung), die sie vor den Kartenleser an der Eingangstür halten. Diese Lesegeräte, die über eine Kamera zur Besucheridentifikation und künftig über ein Handy-Display verfügen, sind für Rollstühle und Kinder niedrig genug platziert. Aus Sicherheitsgründen sind die Karten leer, sodass eine Identifizierung der Person/Wohnung nicht möglich ist. Alternativ kann man auch die individuell konfigurierte myPORT App im Handy nutzen, die mit einem Bluetooth Beacon arbeitet. Im Notfall kann auch ein „klassischer“ Schlüssel verwendet werden.
Bei Nutzung von myPORT öffnet sich die Tür und verriegelt nach Gebrauch oder Nichtgebrauch wieder. Das Licht geht an. Der Aufzug kommt im Erdgeschoss an und öffnet die Tür zum Auto. „Nehmen Sie Aufzug A!“ die Computerstimme informiert die Bewohner bereits an der Eingangstür. Das Etagenziel ist bereits vorprogrammiert, es muss also keine Taste gedrückt oder berührt werden. Will man woanders hin, kann das Bedienterminal an der Außenwand alle Stockwerke in Deutsch, Englisch oder auf Wunsch auch in einer anderen Sprache anzeigen bzw . Das Auto sagt Ihnen, wo es ist und wohin es fährt. Im zweiten Stock geht das Licht im Flur an (derzeit noch per Bewegungsmelder). Alle Türen bis zur Wohnungstür werden je nach Fahrzeit, zB 10 Sekunden, entriegelt und können bereits geöffnet sein.
Die Bewohner fühlen sich sicherer, weil sie von ihren Wohnungen aus den Aufzug in ihre Etage rufen können. Es ist auch möglich, von der Wohnung aus mit Besuchern am Eingang per Videochat zu kommunizieren. Mit einem Klick auf den Einladungsbutton kann der Bewohner die Tür für den Gast öffnen und den Aufzug vorbereiten, der automatisch in die entsprechende Etage fährt. Die Klingel an der Wohnungstür zeigt die Nachricht groß auf dem Fernseher in der Wohnung an.
Ist der Bewohner nicht zu Hause, kann er sich per App einen temporären Zugangscode, ein sogenanntes „Ticket“, mit einer Gültigkeit von z.B. ab sofort bis zu drei Tagen erstellen und dieses per E-Mail oder SMS über W-LAN oder Mobilfunkverbindung an einzelne Besucher, Lieferdienste oder Handwerkergruppen verschicken. Die Kamera an der Tür liest das nicht kopierbare, farbkodierte Video „Crazy Color Code“, das lediglich eine Verknüpfung zum System darstellt, ohne dass eine App auf dem Handy des Empfängers nötig wäre.
Der Verwalter überwacht nicht die Bewegungen der Bewohner. Auch ein Auslesen der Daten vor Ort ist nicht möglich. Die Daten werden verschlüsselt auf sicheren Servern gespeichert. Der Mietvertrag legt genau fest, welche Daten erzeugt und wo sie gespeichert werden.
Schindler unterstützt das Projekt auch während der Betriebsphase. Um die Technologie auf Basis der Nutzererfahrungen weiterzuentwickeln, wurde eine Geschäftsinitiative „Digital Door Access“ ins Leben gerufen.
Straßenbaudienste
Auf den Pultdächern, die dem Sonnenverlauf folgen, sind Photovoltaik-Anlagen von Panasonic installiert. Die 600 Panels liefern 195 kW Leistung. Der Batteriespeicher Samsung SDI Sungrow befindet sich im Technikum gegenüber dem Veranstaltungstrakt. Auch große Batteriespeicher dürfen aus gesetzlichen Gründen nicht als unterbrechungsfreie Stromversorgung (USV) eingesetzt werden. Das bedeutet zB, dass Aufzüge für Rollstuhlfahrer nicht mit Notstrom versorgt werden. Strom, der nicht vor Ort produziert wird, stammt vom Ökostromanbieter Polarstern, der die kritische Prüfung des Magazins Öko-Test sieben Mal mit „sehr gut“ bestanden hat und zu 100 % unabhängig von Kohle und Atomkraft ist.
In den Wohnungen sind eine Vielzahl von Steckdosen mit mehreren Steckdosen zu sehen, auch im Bad und an den Fenstern. Da in Wohnungen künftig zahlreiche Netzteile für verschiedene Geräte zum Einsatz kommen, wird der Niederspannungsbereich weiter zunehmen.
Die Stromleitung in der Wohnung dient auch der Nachrichtenübermittlung per „Powerline“, hier über das digitalSTROM-Produkt. Jede Wohnung verfügt über einen digitalSTROM-Server im Schaltkasten, der die Steuerung innerhalb der Wohnung organisiert, aber auch den Zugriff über die App ermöglicht. Der Schaltkasten befindet sich im Eingangsbereich. Im Allgemeinen verfügt der Standort über einen 10-Gigabit-Glasfaseranschluss; in jeder Wohnung stehen 50 Megabit für Upload/Download als fester Bestandteil der Miete zur Verfügung; eine Erhöhung auf bis zu 250 Megabit ist möglich.
Panasonic Luft-Wasser-Wärmepumpen sorgen für Wärme. Die Wohnung selbst verfügt über eine Fußbodenheizung mit zusätzlichen Heizkörpern im Bad.
Ein Forschungsprojekt des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie BMWi, „ForeSight: Plattform für kontextsensitive, intelligente und prädiktive Smart Living Service“ (futur-living-berlin.com/foresight), das von einem großen Konsortium unter Federführung der Forschungsvereinigung Elektrotechnik im Zentralverband Elektrotechnik- und Elektronikindustrie (ZVEI) geführt wird, unterhält auf dem Gelände eine Wohnung, um KI-gestützte Smart-Living-Methoden zu testen.
Weitere Informationen finden Sie unter zukunft-wohnen-berlin.com.











Die digitale Zukunft rückt näher
Ihr Autor (USB) sprach mit Jürgen Blank (JB) von Schindler Deutschland über neue Technologien in Aufzügen und Gebäuden.
USB: Wo liegen die noch weitgehend ungenutzten Chancen der Digitalisierung?
JB: Barrierefreiheit in Gebäuden wird für Mieter und Vermieter, aber auch für Investoren und Eigentümer immer wichtiger. Aufzüge spielen im Neubau und vor allem bei der Modernisierung von Ein- und Mehrfamilienhäusern eine immer zentralere Rolle. Auch in der vertikalen Mobilität wird die Digitalisierung bei Sanierung oder Instandhaltung zu neuen Produkten führen.
USB: Wo sehen Sie technisches Potenzial, von dem alle profitieren?
JB: Mit unserem PORT-System lassen sich bereits gemischte Gebäudenutzungen problemlos realisieren, denn das System kann problemlos Nutzergruppen trennen und die Zutrittskontrolle effizient gewährleisten. Auch kann durch intelligente Verkehrsberechnungen berücksichtigt werden, wenn beispielsweise der Besucherstrom in einem Gebäude nach 4 Uhr deutlich zurückgeht und die Anlagen buchstäblich „abgestellt“ werden können. Zur Energieeffizienz trägt beispielsweise auch bei, dass die Türsteuerung so programmiert ist, dass Türen unter der „Ausfahrfunktion“ offen bleiben. Die erhöhte Hygiene- und Abstandssensibilität kann PORT beispielsweise dadurch lösen, dass das Kontrollsystem nur zwei Personen pro Auto zulässt.
USB: Wie wird in Ihrem Innovationsbereich gearbeitet?
JB: In erster Linie hören wir potentiellen Kunden genau zu – zu Beginn eines Projekts, aber auch danach, wenn wir Feedback von Kunden einholen. Wir sammeln die Daten, schreiben die Konzepte und Angebote und treiben die Produktentwicklung voran.
USB: Wie viele Leute sind beteiligt?
JB: An unserem Standort in Frankfurt beschäftigen wir rund 40 Mitarbeiter, überwiegend aus der Telekommunikations- und IT-Branche. Aktuell bedienen wir eine höhere dreistellige Kundenzahl.
USB: Welche Kunden können Sie von solchen Lösungen überzeugen?
JB: Die Nachfrage ist – immer noch – bei großen Gebäuden und Campus-Projekten am größten. Aber der Markt im Wohnungsbau wächst stetig.
USB: Wie geht es bei diesem Thema weiter?
JB: Im operativen Bereich schaffen wir mit unseren Kunden weitere Referenzobjekte und können so die gesamte Bandbreite der Einsatzmöglichkeiten aufzeigen. Dann gilt es, Erfahrungen im Betrieb zu sammeln, um unsere Produkte und Dienstleistungen weiter zu optimieren. Und wir müssen sowohl über Projekte als auch über deren Betrieb regelmäßig und umfangreich berichten, denn der Informationsbedarf zu digitalen Lösungen ist groß.