„Die nächste Generation sichert unser zukünftiges Leben“

By Undine Stricker-Berghoff | Branchendialog | 5. April 2023

10 Minuten zum Lesen

Der ReGen Drive reduziert den Stromverbrauch während der Aufzugsfahrt um bis zu 75 %; Mit freundlicher Genehmigung von Otis.
KI-Übersicht

Udo Hoffmann, der auf über 40 Jahre Erfahrung bei Otis zurückblickt, erläutert, wie exzellenter Service, die Sanierung alternder Gebäude und die Digitalisierung die urbane Mobilität verändern werden. Er hebt Gen360 und Otis ONE als Plattformen hervor, die Sensoren, Kameras und IoT nutzen, um Fernwartung, vorausschauende Instandhaltung und datengestützte Gebäudedienstleistungen zu ermöglichen und gleichzeitig die Barrierefreiheit zu verbessern. Nachhaltigkeit prägt die Produkt- und Werkswahl – von energiesparenden ReGen-Antrieben bis hin zu solarbetriebenen Anlagen. Die COVID-Pandemie beschleunigte die Entwicklung von Homeoffice, Hygienemaßnahmen und Innovationen. Europa bleibt strategisch wichtig für Service und Umweltschutz. Um den zukünftigen Bedarf zu decken, investiert das Unternehmen in Ausbildung, MINT-Förderung und Diversität. Die Rekrutierung und Ausbildung junger Talente sichert die berufliche Weiterentwicklung für kommende Generationen.

Otis Lead diskutiert die technische, wirtschaftliche und menschliche Zukunft.

Im Dezember hat Udo Hoffmann (UH), Leiter der Central Europe Market Group und Vorstandsvorsitzender von Otis Deutschland mit Sitz in Berlin, Deutschland, sprach mit Ihrem Autor (USB) about the "big picture" with a focus on trends in the elevator business in Europe.

USB: Herr Hoffmann, könnten Sie bitte damit beginnen, unseren Lesern etwas über Ihren persönlichen und beruflichen Werdegang zu erzählen.

UH: Meine Wege bei Otis haben mich zu verschiedenen Positionen in mehreren Ländern geführt. In meinem derzeitigen Job bin ich viel in Europa unterwegs. Heute ist mein letzter Tag in Berlin für weitere 17 Tage. Ich tausche mich ständig mit interessanten Menschen innerhalb meiner Marktgruppe aus – sei es in Warschau, Polen, Wien, Österreich oder darüber hinaus. Trotzdem nehme ich mir immer Zeit für meine Frau und meine Tochter.

Ich bin in Ostdeutschland geboren. Mein Vater war auch in der Aufzugsbranche tätig. Meine Ausbildung zum Werkzeugmacher habe ich bereits in der Aufzugsbranche gemacht. Später habe ich Maschinenbau studiert und in der Konstruktion gearbeitet – natürlich bei Otis.

Only once, I worked for a few months in another company. At INSEAD in Fontainebleau near Paris, I acquired the additional skills and tools for business administration tasks and built up and expanded my international network. Otis offers a lot, especially for employees. One could say, "Over the course of the years, we have invested in each other."

USB: Today, we are talking about the "big picture" with a focus on trends in the elevator business in Europe. Could you please start with highlighting what moves our industry today — technically, as well as economically?

UH: Three things determine the business: firstly, the service portfolio. It is large in Europe, with Germany as a key player. Secondly, solutions for existing buildings. The population is getting older and older and is using buildings longer and longer. This is a "stomping ground" for innovations.

Drittens: die Digitalisierung. In Smart Cities werden Aufzüge nicht mehr nur in einem Schacht auf und ab fahren, sondern Menschen innerhalb und zwischen Gebäuden auf eine völlig neue Art und Weise miteinander verbinden. Wir können uns bereits horizontal fortbewegen. Aber mit der zunehmenden Digitalisierung werden wir Hunderte Millionen Aufzugsdaten nutzen, daraus Rückschlüsse ziehen und sie sinnvoll verknüpfen können. In einem Kaufhaus werden wir beispielsweise Verkehrsströme messen. Die Menschen sind heute schon immer mehr online. Man muss die Daten also mit ihren Elektroautos kombinieren, für die Tausende von Ladestationen in Parkhäusern und Privathäusern aufgebaut werden. Wo werden die Menschen im Gebäude arbeiten und wie werden sie dorthin gelangen? Wie wird die letzte Meile gestaltet? Um diese und viele weitere Fragen zu beantworten, können wir die Daten von Aufzügen nutzen.

Die nächste Generation sichert unser zukünftiges Leben - 1
Alte Aufzugsmaschine von Carl Flohr, Berlin, im Foyer auf dem Weg zu Udo Hoffmann; Quelle: Hans-Wilhelm Berghoff
„Die nächste Generation sichert unser zukünftiges Leben“
Neueste eVIEW-Notruftechnologie in einer Gen2-Kabine auf dem Weg zu Udo Hoffmann; Quelle: Hans-Wilhelm Berghoff
„Die nächste Generation sichert unser zukünftiges Leben“
Neuer Aufzug GEN360 von OTIS, Lyon, Frankreich. Werbung nicht inbegriffen.

USB: Wir können immer aus der Geschichte lernen. Sie sind seit mehr als 40 Jahren in der Branche – was sehen Sie als die größte Veränderung in den letzten Jahrzehnten? Und was wurde daraus gelernt?

UH: Das Aufzugsgeschäft war schon immer ein People Business. Deshalb sind wir ständig in Kontakt mit Leuten wie Architekten, Technikern und natürlich Fahrgästen. Und was waren die Ergebnisse dieses Austauschs? Größere Antriebsmaschinen zum Beispiel mit 500 bis 900 mm Treibscheibendurchmesser. Oder Geschwindigkeitsbegrenzer mit elektrischen und mechanischen Teilen, die es heute gar nicht mehr gibt, weil die Digitalisierung das Spiel verändert hat. Die Innovationen springen immer schneller, um die Erwartungen der Kunden zu erfüllen.

USB: Da die Digitalisierung einer der größten technischen Trends ist, mit welchen Themen beschäftigen Sie sich bei Otis?

UH: We've been going digital for a long time. The key words here are availability, transparency and remote services. Today, a remote release of entrapped passengers is already possible in some cases. I would like to add a second trend here, which we must not forget under any circumstances: the reduction of our carbon footprint.

USB: 2021 haben Sie die Gen360-Plattform eingeführt. Was sind seine technischen Merkmale? Wie kommen diese Innovationen bei den Kunden an?

UH: Ein Beispiel für unsere fortschreitende Digitalisierung ist sicherlich die Gen360-Plattform, bei der man bereits aus der Ferne in das Leitsystem eingreifen kann. Sensoren und Kameras zeichnen Daten und Bilder auf. Vor allem Architekten profitieren von seinem Design mit niedriger Baugrube, das zum Beispiel in Tiefgaragen zum Tragen kommt. Die Wartung kann dank einer klappbaren Plattform im Auto durchgeführt werden, sodass Techniker nicht mehr auf das Dach steigen müssen. Dies ermöglicht auch eine reduzierte Kopffreiheit.

Die Gen360-Plattform ist nun seit fast anderthalb Jahren auf dem Markt und bereits eine bevorzugte Wahl der Kunden. Zur Nutzung haben wir gerade einen Rahmenvertrag mit Goldbeck Immobilien abgeschlossen. Mit der Gen360-Plattform ist es ein Bestreben, aus den Daten zu lernen und diese Daten für den Gebäudebetrieb zu teilen. Die Vorteile beider Seiten können so miteinander verknüpft werden. Hier kommt auch unser eView-Bildschirm ins Spiel. Der Bediener kann sich beispielsweise per Zwei-Wege-Video mit den Fahrgästen verbinden.

Die Gen360-Plattform entwickelt sich zu einem unserer zentralen Produkte. Seine IoT-Fähigkeiten werden derzeit noch nachgefragt und von Kunden unterschiedlich genutzt. Die Anforderungen in diesem Bereich werden jedoch weiter steigen. Viele Daten sind bereits heute verfügbar, aber vielen Kunden ist dies noch nicht bewusst. Immer mehr Ideen zur Verknüpfung von Daten entstehen, neue Lösungen und Geschäftsmodelle werden entwickelt.

USB: Eine weitere große Herausforderung, die Sie angesprochen haben – oder Trend, wie Sie es nannten – ist Nachhaltigkeit. Otis veröffentlicht Ende März seinen zweiten Umwelt-, Sozial- und Governance-Bericht (ESG). Was ist Ihr konkreter Beitrag zu diesem Thema?

UH: Wir nehmen Nachhaltigkeit sehr ernst. Auch Arbeitssicherheit und Umweltschutz spielen für uns eine große Rolle. An diesen Themen arbeiten wir täglich und investieren in sie. Beispielsweise erfassen wir, was wann wo produziert wird, um Produktionsabläufe und Lieferwege zu optimieren; So haben wir letztes Jahr ein neues Werk in Spanien eröffnet. Als weiteres Beispiel haben wir Sonnenkollektoren auf den Dächern installiert. Unser Werk hier in Berlin wird mit 100 % Ökostrom betrieben. Auch Digitalisierung und Remote Services helfen uns, Energie zu sparen. Und nicht zu vergessen unsere ReGen™-Antriebstechnologie, die – in Kombination mit unseren effizienten Aufzugsmaschinen – den Energieverbrauch im Vergleich zu herkömmlichen Aufzügen ohne regenerative Antriebe um bis zu 75 % senkt.

USB: Let's move from the technical to the economical side. What is the importance of the European market from the point of view of a global elevator manufacturer?

UH: Aus globaler Sicht ist Europa eine Schlüsselregion für Otis. Weltweit haben wir im Jahr 13.7 einen Umsatz von rund 2022 Milliarden US-Dollar erwirtschaftet. Wie ich bereits erwähnt habe, ist Service ein großer Teil des Geschäfts, und unser Portfolio in Europa ist riesig. Es ist auch ein strategisches Gebiet für Innovationen: Europa ist ein reifer Markt mit Kunden und Passagieren, die uns ständig vorantreiben, insbesondere auf der Umweltseite.

USB: Welche Auswirkungen hat die COVID-19-Pandemie?

UH: I can't praise enough how quickly our organization and IT enabled remote working. People arranged quickly with the new situation; teams were fully functional. Business has continued. Simply impressive! At the peak of the pandemic, some customers were concerned about letting our service technicians into their building. But with masks and testing, we got a handle on that, too. The pandemic showed the robustness of our service model and the resilience of our business: People were moved on without realizing the tremendous effort of the Otis staff in the background — also and especially during the pandemic.

Die Pandemie war auch ein Innovationstreiber, da der Bedarf an hygienischen Lösungen im öffentlichen Raum noch nie so stark war. Grund genug für Otis, Lösungen wie zum Beispiel keimtötendes blau-violettes LED-Licht in Aufzügen und für Handläufe von Rolltreppen oder berührungslose „Knöpfe“ zum Rufen des Aufzugs oder zur Wahl der Etage anzubieten.

Otis offers a lot, especially for employees. One could say, 'Over the course of the years, we have invested in each other.'

Udo Hoffmann und Undine Stricker-Berghoff
Udo Hoffmann und Undine Stricker-Berghoff unterwegs; Quelle: Hans-Wilhelm Berghoff.

USB: Welche Auswirkungen hatte die Energiekrise durch den Krieg in der Ukraine?

UH: We have been transparent with our investors in how we are addressing headwinds in energy and materials costs. In general, there are currently different disruptions in business operations, but this is — at least in our case — not due to Ukraine. It's important for me to add, that Otis continues to work in Ukraine. The service there continues to keep people vertically mobile.

Die Krise hat die Verantwortung deutlich gemacht, die wir alle haben, den ökologischen Fußabdruck unserer Produkte und Aktivitäten zu verringern. Wir haben ein erhöhtes Interesse unserer Kunden an diesem Thema festgestellt. Und selbst wenn Aufzüge schon seit langem energieeffizient sind, können wir durch die Modernisierung oder das Angebot neuer effizienter Produkte zu einem besseren Umgang mit Energieressourcen beitragen.

USB: Welche kurzfristigen Perspektiven sehen Sie bereits für 2023?

UH: Die Digitalisierung macht für uns den nächsten Schritt, indem wir immer mehr Aufzüge an unsere IoT-Lösung Otis ONE anschließen. Wir haben uns auf viele Veränderungen im Kommunikationsnetz vorbereitet, insbesondere in Deutschland. Auch den Rückgang von COVID-19 sehe ich positiv – oder zumindest gewöhnen wir uns daran. Die deutsche Regierung hat sich zum Ziel gesetzt, im Jahr 400,000 2023 neue Wohnungen zu bauen. Das bedeutet Tausende von Möglichkeiten für neue Geräte. Wir werden weiter investieren – wir fühlen uns stark! Wir haben keine Angst vor der Zukunft, im Gegenteil, wir sehen Chancen. Alle Marktteilnehmer haben Chancen. Bleiben wir positiv und investieren unsere Intelligenz in die Frage: Wie können wir unsere konkreten Ziele erreichen?

USB: Eine zentrale Zukunftsfrage der Branche, die wir noch nicht angesprochen haben, ist die Personalarbeit. Wie finden wir qualifiziertes Personal? Was kann und was sollte die Industrie tun?

UH: Young people approach things differently. The attention span is decreasing. The speed of change is increasing. Young people have different values and ideas, and we as an industry have to deal with that differently. We have to be at the pulse of time; jobs have to be more interesting and more varied. Young people don't stay in the same company for 40 years, like I did. Today, it is too late to recruit young talents when they are about to finish school. We have to introduce people to the elevator industry at an earlier age. Getting talent is hard work. We must and will train young people ourselves with apprenticeships and dual study programs. This is an investment that will pay off. The next generation secures our future life.

Ich diskutiere dieses Thema auch mit meiner Frau und meiner Tochter. Auch Aufzüge sind noch immer eine Männerdomäne; aber das ist kein Naturgesetz. Wir streben nach vielfältigen Teams, die ein hohes Engagement zeigen und großartige Ideen zum Gedeihen bringen. Bis 2030 wollen wir die Geschlechterparität in den globalen Führungspositionen von Otis erreicht haben. Das belebt unser Unternehmen.

One example of our many activities to recruit and nurture young talent is our third annual student challenge, "Made to Move Communities." The aim of this worldwide program is to spark an early interest in Science, Technology, Engineering and Math (STEM) as well as in mobility.

USB: Zu guter Letzt noch etwas Persönliches: Wenn Sie in eine lebhafte Diskussion über ein Herzensthema einsteigen, worum würde es gehen?

UH: Ich würde wahrscheinlich meine Erkenntnisse aus über 40 Jahren Berufsleben teilen: Man sollte immer auf dem Boden bleiben und nie vergessen, woher man kommt. Sie sollten immer nach vorne statt zurück schauen. Familie ist wichtig. Veränderung treibt uns voran; herausforderungen treiben uns an – man muss sich nur dafür öffnen. Also, mach was dir Spaß macht; bleiben Sie, wo Sie Spaß haben; dann macht Arbeit gute Laune!

Shares