Marktupdates: Deutschland und Österreich
By Undine Stricker-Berghoff | Markt-Trends | Oktober 1, 2021
15 Minuten zum Lesen
Die deutsche Aufzugsbranche hat die COVID-Krise bisher gut überstanden, sieht sich aber zunehmenden Risiken durch globale Lieferengpässe und steigende Inputpreise ausgesetzt, insbesondere für Stahl, Holz, Kunststoffe und elektronische Bauteile. Dies führt zu längeren Lieferzeiten und Preisanpassungen. Die Bauumsätze erholten sich im April erstmals, doch die Wirtschaftsprognosen wurden nach unten korrigiert. Das ifo-Institut rechnet nun mit einem BIP-Wachstum von 3.3 % im Jahr 2021 und 4.3 % im Jahr 2022, während sich der VDMA-Aufzugsindex und die Stimmung in der Branche eintrübten. Österreichs Aussichten sind besser: Institute und die Bundesbank erwarten eine starke Erholung und ein BIP-Wachstum von rund 3.4 bis 5.0 % bis 2022. KMU berichten von einer stabilen Nachfrage, befürchten aber Engpässe und Kostendruck.
Ein Blick auf die wirtschaftliche Situation der einzelnen Länder und die Auswirkungen auf ihre VT-Sektoren
Die deutsche Aufzugsindustrie hat die COVID-19-Krise bisher gut überstanden, ist aber zunehmend von Lieferengpässen und steigenden Preisen bedroht. Umsatz in der deutschen Bauwirtschaft im April erstmals 2021 gestiegen; diese Branche kämpft bereits mit Lieferengpässen. Die deutsche Wirtschaft wächst, obwohl die Erwartungen – ebenso wie in der Aufzugsbranche – in den letzten Monaten gesunken sind. Ihr Autor informiert auch ausführlich über Österreich, das positiver eingestellt ist als Deutschland.
Die wirtschaftliche Lage in Deutschland
Im Juni senkte das ifo Institut seine Konjunkturprognose für 2021 auf +3.3 %, 0.4 % weniger als im März, und berichtet:
„Mit der Verlangsamung der Infektionshäufigkeit und den Fortschritten bei der Impfung gegen COVID-19 werden die bestehenden wirtschaftlichen Beschränkungen wahrscheinlich allmählich aufgehoben. Einer konjunkturellen Erholung in den handels- und kontaktintensiven Dienstleistungsbereichen bis Ende 2021 steht nichts mehr im Wege. Kurzfristig wirken Engpässe bei der Versorgung mit Vorprodukten dämpfend, sodass sich der Industrieboom abkühlen dürfte etwas im weiteren Verlauf. Insgesamt soll das Bruttoinlandsprodukt (BIP) 3.3 um 2021 % und 4.3 um 2022 % wachsen.“[1].
Die IW-Wirtschafts-Ampel vom Juni 2021 zeigt, wie Deutschland im Vergleich zur Eurozone, den USA und China in Bezug auf Produktion, Aufträge, Beschäftigung, Nachfrage, Investitionen und Exporte abschneidet.
Österreichische Wirtschaftsdaten/Lage
Die allgemeine Wirtschaftslage in Österreich spiegelt sich in den Wirtschaftsdaten der Wirtschaftskammer Österreich (WKO) auf ihrer Website wider.[2]. Knapp 347,000 Unternehmen aus Produktion und Dienstleistung erwirtschafteten 800 mit knapp über 943.7 Millionen Mitarbeitern einen Umsatz von rund 2018 Milliarden Euro (3 Milliarden US-Dollar). Das Investitionsvolumen betrug knapp 42 Milliarden Euro (49.6 Milliarden US-Dollar).
Unter der Überschrift „Starke Aufwärtsrevision der Wachstumsprognose“ erklärte die WKO im Juni 2021:
„Die österreichischen Wirtschaftsforschungsinstitute und die Österreichische Nationalbank erwarten für 2021 und 2022 eine kräftige Erholung. Die Wirtschaft hat im Frühjahr durch die Eröffnungszüge an Schwung gewonnen, soll aber im ersten Quartal 1.1 noch um 2021 % geschrumpft sein“ gegenüber dem Vorquartal laut Statistik Austria. Die guten internationalen Rahmenbedingungen tragen zu einem potentiell starken Aufholprozess in Österreich bei. Das Vorkrisenniveau kann nach aktuellen Prognosen voraussichtlich zum Jahreswechsel 2021/22 erreicht werden.“
Als prozentuale Veränderung gegenüber dem Vorjahr wird je nach befragter Institution ein reales österreichisches BIP-Wachstum zwischen +3.4 % und +4.0 % im Jahr 2021 und zwischen +4.2 % und +5.0 % im Jahr 2022 prognostiziert.

Bauwirtschaft in Deutschland und Österreich
Der Generalsekretär des Zentralverbandes Deutsches Baugewerbe ZDB, Felix Pakleppa, kommentierte Ende Juni die aktuellen Daten des Statistischen Bundesamtes zur aktuellen Entwicklung der Konjunktur im Bauhauptgewerbe:
„Die Umsatzentwicklung im April zeigt in diesem Jahr erstmals ein positives Zeichen. Nach dem Wintereinbruch und der Corona-bedingten Abschwächung gegenüber dem Vorjahr besteht jedoch noch Nachholbedarf. … Unternehmen mit 20 oder mehr Beschäftigten im Bauhauptgewerbe erzielten im April einen Umsatz von 7.94 Mrd. Euro (9.37 Mrd. US$) (+2.3%). Damit erreichten die Verkaufserlöse ca. 24.4 Mrd. EUR (28.8 Mrd. USD) (-5.9%) im Jahr bis April. Der Auftragseingang im April belief sich auf rund 7.9 Mrd. EUR (9.3 Mrd. USD) (+7.0%).“[3].
Pakleppa betrachtet den Auftragseingang differenziert:
„Der Auftragszuwachs von 7 % im April gegenüber April 2020 ist im Wesentlichen auf den Nachfrageeinbruch im Vorjahr im Wohnungsbau und im gewerblichen Hochbau nach dem ersten Lockdown zurückzuführen. Die Nachfrage im Wohnungsbau hat sich in der Folge wieder stabilisiert und erweist sich ebenfalls als nachhaltig. Bis April erreichte das Auftragsvolumen hier ein Volumen von 7.3 Mrd. Euro (8.6 Mrd. US$) (+13.4%). Im Wirtschaftsbau sehen wir noch keine vergleichsweise dynamische Entwicklung. Bis April erreichte der Auftragseingang 7.1 Milliarden Euro (8.4 Milliarden US-Dollar). Gegenüber dem Vorjahr entspricht dies einer Steigerung von 3.3%.“[3].
BauInfoConsult identifiziert regelmäßig unter 600 Fachleuten aus der Baubranche die bestimmenden Bautrends. Zuletzt, im Mai 2021, beschäftigte sich die Branchenstudie „Jahresanalyse“ mit Fachkräftemangel, Preiserhöhungen und COVID-19:
„Die deutsche Bautätigkeit entwickelt sich auch nach mehr als 15 Monaten Coronakrise weiterhin positiv. Dennoch beobachten Industrieakteure vor allem Entwicklungen und Trends, die ihre Arbeit im Bauwesen herausfordern. Vor allem der Fachkräftemangel treibt Bauunternehmen an. Auch gestiegene Baupreise machen sich zunehmend bemerkbar. Und natürlich überschattet der Unsicherheitsfaktor Corona weiterhin die Zukunftsaussichten.“[4].

In Österreich belaufen sich laut WKO-Statistik auf Basis der Statistik Austria aktualisiert im April 2021 die Bauproduktionswerte im Jahr 2020 auf knapp 40 Mio.
Materialknappheit und Preiserhöhungen dominieren die deutsche Bautätigkeit – auch die Aufzugsindustrie.
Laut ifo-Institut hat sich die Materialknappheit auf deutschen Baustellen im Juni 2021 verschärft: Im Hochbau gaben im Mai 43.9 % der Unternehmen an, Probleme bei der rechtzeitigen Beschaffung von Baustoffen zu haben.[5]. Im Vergleich dazu waren es 23.9% im April und nur 5.6% im März.
Felix Leiss, Umfrageexperte am ifo Institut, sagt:
„Rasant steigende Rohstoffpreise bereiten der Industrie Probleme. … Auch Stahl ist deutlich teurer geworden. … und verschiedene Kunststoffe sind ebenfalls knapp, so die Meldungen aus der Branche.“
Pakleppa stimmt dieser Einschätzung zu:
„Die anhaltenden Probleme in der Versorgung mit Baumaterialien wie Holz, Stahl und Kunststoffen stellen in dieser Hinsicht eine große Herausforderung dar. … Sollten Angebot und Nachfrage nach global gehandelten Baumaterialien jedoch nicht rasch wieder im Gleichgewicht sein, sind die Bauabläufe in vielen Fällen gefährdet. Projekte lassen sich schwieriger kalkulieren.“

Das derzeit größte Problem der Branche – „Angebotsengpässe und Preiserhöhungen“ – wird für die Aufzugsbranche in der Direktwerbung der SafeLine-Gruppe und im Interview mit ihrem deutschen Geschäftsführer Michael Puttrus (siehe Sidebar-Interview) verdeutlicht.
Märkte und Messen für „Aufzüge und Fahrtreppen“ in Deutschland stehen unter dem Einfluss von COVID-19.
Der Aufzugsmarkt in Deutschland wurde – wie die Wirtschaft insgesamt – in den letzten 19 Monaten von der COVID-15-Krise dominiert. Nach Angaben des ifo Instituts belaufen sich die Kosten der COVID-19-Krise für 2020 bis 2022 auf 382 Milliarden Euro (451 Milliarden US-Dollar). Im Sidebar-Interview erläutert Udo Niggemeier vom Verband mittelständischer Aufzugsunternehmen (VmA) die Auswirkungen auf die Branche.
Puttrus äußerte sich auch zur aktuellen COVID-19-Situation für sein Unternehmen:
„Generell können wir uns als Anbieter von Notrufsystemen trotz COVID-19 nicht über die wirtschaftliche Lage beklagen. Durch das Ende der Nachrüstpflicht waren wir nicht betroffen. Auch der Neubau von Aufzügen hat in dieser Zeit eher zu- als abgenommen. Bis auf einen Mitarbeiter im Versand sind in Deutschland noch alle im Homeoffice. Bestellungen und Support laufen reibungslos. Ich würde die Lage in der Aufzugsbranche als stabil bezeichnen.“
Signalwirkung hatte auch die Verschiebung der alle zwei Jahre stattfindenden Messe interlift in Augsburg. Sie wurde von ihrem regulären Termin im Oktober 2021 in das Frühjahr 2022 verschoben und teilt sich dies mit rund 430 im Jahr 2020 in Deutschland verschobenen Messen, so der Deutsche Fachverlag (expocheck) auf Basis von Statista. Etwa 350 wurden insgesamt gestrichen und 37 auf ein virtuelles oder hybrides Format umgestellt.
Puttrus äußerte sich auch zur Verschiebung der interlift:
„Wir hatten für die interlift einige neue Produkte geplant. Die Verschiebung der Messe von Herbst 2021 auf Frühjahr 2022 ist für uns günstig, da wir dann aufgrund der Knappheit an Chips aus China mit der Neuentwicklung mit den neuen Chips fertig sind. Unsere LCD-Displays und THOR-Bedienelemente sind von den Chipproblemen in China nicht betroffen.“

Der Verband VDMA erhebt vierteljährlich Daten zum Geschäftsklima in der deutschen Aufzugsindustrie. Der aktuelle Aufzugsindex wurde im Mai 2021 von Ebru Gemici-Loukas, VDMA Fachverband Aufzüge und Fahrtreppen, veröffentlicht:
„Die Stimmung in der deutschen Aufzugsbranche hat sich im Mai 2021 wieder eingetrübt. Der VDMA Aufzugsindex ist von 123.0 im April auf 128.8 Punkte im Mai gefallen. Dies liegt sowohl an der Einschätzung der Lage als auch an den Erwartungen. Die aktuelle Situation wird von der Mehrheit der befragten Unternehmen nur geringfügig schlechter eingeschätzt als im Vormonat. Der Ausblick auf die kommenden sechs Monate hat sich jedoch noch weiter verschlechtert. Die Erwartungen für die kommenden sechs Monate zeigen zum dritten Mal in Folge einen deutlichen Abwärtstrend.“
Dagegen dokumentiert die dritte globale Umfrage der Aufzugsbranche von ELEVATOR WORLD, dem deutschen Branchenverband VFA-Interlift und dem Messeveranstalter AFAG gemeinsam mit Crédit Suisse einen anhaltenden Wandel zum Besseren. EW Europe März-April 2021, ab S. 34 können diese Ergebnisse ausführlich im Bericht „The Consequences of COVID-19, Prospects“ nachgelesen werden.[6].

Aufzugsmarkt in Österreich
Mag. Barbara Schicker vom Fachverband Metalltechnische Industrie (FMTI) in Wien (www.metalltechnischeindustrie.at) hat im Juni 2021 eine Liste von neun Herstellern von Industrieaufzügen im Land erstellt. „Allerdings gibt es noch weitere Lieferanten, die Mitglieder der Bundesinnung der Metalltechnik sind“, betont sie.
FMTI erhebt seit Jahren keine Daten zum Aufzugsmarkt. Auch in der WKO-Statistik für die Wirtschaftszweige Österreich werden Aufzüge nicht einzeln erfasst.
Die Daten des Statistischen Komitees der European Lift Association (ELA) für 2018 berücksichtigen die COVID-19-Krise noch nicht, dienen aber der Orientierung. Sie sind gegenüber dem Bericht 2020 in unverändert EW Europe, da neuere Daten von ELA noch nicht veröffentlicht wurden; Österreich wurde in die Tabelle aufgenommen.

„Lieferengpässe bei anziehender Weltwirtschaft erwartet“
Unter der obigen Überschrift verschickte Geert Maurissen, CEO der SafeLine Gruppe mit Sitz im schwedischen Tyresö, Anfang Juni 2021 eine Direktmail an seine Kunden in Europa und Übersee. Darin sprach er „über den weltweiten Mangel an Elektrokomponenten und“ warum Sie möglicherweise mit längeren Vorlaufzeiten und Änderungen Ihrer SafeLine-Bestellungen rechnen müssen.“ Er machte weiter:
„Die Weltwirtschaft erholt sich noch schneller als erwartet und die Industrie holt die Lücken auf, die die anhaltende Gesundheitskrise hinterlassen hat.
„Dieser Nachholbedarf in Kombination mit einer boomenden Wirtschaft führt nun auf globaler Ebene zu Bauteilengpässen und Serviceverzögerungen. Betrachtet man den Markt, so sehen wir mittlerweile Engpässe in vielen Unternehmen wie Computerchips, Container, Holz, Kunststoffe, Palmöl usw. Die Folgen sind offensichtlich, was zu Verzögerungen und Preiserhöhungen führt. Bei SafeLine stehen wir vor denselben Herausforderungen, und es liegt in unserer Verantwortung, Sie zu informieren und unser Versprechen an Sie als Kunden zu halten, aber bei dieser weltweiten Knappheit liegt es nicht in unserer Hand, die Situation kurzfristig zu verbessern. SafeLine ist wie viele andere von der globalen Lieferkette abhängig.
„Hier folgen die kritischen Punkte, mit denen wir heute konfrontiert sind und die Sie berücksichtigen müssen:
- Längere Lieferzeit – teilweise mit unbestätigter Lieferzeit – je nach bestelltem Produkt.
- Bei übergroßen Bestellungen können wir die Liefermenge begrenzen.
- Die Preise können monatlich überprüft werden und beziehen sich auch auf den tatsächlichen Liefertermin.
- Die Frachtkosten werden an unsere tatsächlichen Kosten der Frachter angepasst, die wir heute verwenden.
- Rechnen Sie mit zwei bis drei Tagen zusätzlicher Transitzeit.“
Generell behalten wir uns auch nach Auftragsbestätigung aufgrund der aktuellen Unsicherheiten Änderungen vor.
Puttrus auf SafeLines Direct Mail

Ihr Autor (USB) sprach mit Michael Puttrus (MP), Geschäftsführer von SafeLine Deutschland, über die Direktwerbung und ihre Botschaft.
USB: In dieser Direktwerbung haben Sie das derzeit größte Problem der Aufzugsbranche externalisiert: „Angebotsengpässe und Preiserhöhungen“.
MP: Leider sind wir mit unserem Problem in „guter Gesellschaft“ – auch Volkswagen musste wegen Lieferengpässen bereits Kurzarbeit anmelden. Wir arbeiten an Lösungen, um vor allem die Preiserhöhungen schnellstmöglich wieder rückgängig zu machen und überproportionale Preiserhöhungen zu vermeiden.
USB: Möchten Sie über die Ursachen der Lieferengpässe spekulieren?
MP: Den Zankapfel sehe ich nach meinen Recherchen in der Autoindustrie. Dort wurde die Produktion wegen Covid-19 stillgelegt, weil man Umsatzeinbußen befürchtete. Stattdessen wanderten die Computerchips in Videospielkonsolen, die einem die Zeit zu Hause vertreiben halfen. Doch nun werden trotz Covid-19 wieder mehr Autos gekauft als erwartet und entsprechend produziert. Also werden wieder Millionen von Computerchips in die rollenden Computer eingebaut – und die Aufzugsindustrie, die nur rund 10,000 Stück benötigt, wartet noch.
USB: Was genau hat das Problem in Ihrem Unternehmen verursacht?
MP: Unsere Teile befinden sich durchschnittlich nicht in einem der zehntausenden Container auf dem Frachter, der im Suezkanal in Ägypten festgehalten wurde. Unsere Chips kamen nicht einmal aus China auf die Beine. Wir haben im Mai unsere gewohnten Mengen bestellt und die Auftragsbestätigung aus China zur Lieferung in 56 Wochen erhalten – ohne Vorwarnung.
USB: Was sind die möglichen Lösungen?
MP: Wir werden andere elektronische Komponenten verwenden, daher wird dies nur ein vorübergehendes Problem sein. Für größere Stückzahlen planen wir derzeit verschiedene entsprechende Alternativen. Für unsere eigenen adaptiven Entwicklungen brauchen wir etwa fünf Monate. Für Neuentwicklungen haben wir aufgrund der Verschiebung der interlift jetzt etwas mehr Zeit.
USB: Und was kommt als nächstes?
MP: Je nach Nachfrage sehen wir vier Wochen lang, wo es eng werden könnte. Bis Oktober 2021 erwarten wir
COVID-19 – Mit (offenem) Ende?
Ihr Autor (USB) mit Udo Niggemeier gesprochen (UN), zweiter Vorsitzender des Verbandes mittelständischer Aufzugsunternehmen eV (VmA) mit Sitz in Bissendorf bei Osnabrück. Hauptberuflich leitet er die Geschäfte der ASIB-Niggemeier GmbH in Weilerswist bei Köln, die sich der Arbeitssicherheit im Aufzugsbau mit all ihren Facetten verschrieben hat.

USB: Wie hat sich COVID-19 bisher auf kleine und mittlere Unternehmen (KMU) der Aufzugsbranche ausgewirkt?
EIN: Aus wirtschaftlicher Sicht verliefen die letzten 12 Monate überwiegend stabil bis angenehm, was der großen Flexibilität der KMU geschuldet ist. Bei einigen Unternehmen stieg der Auftragseingang zu Beginn an. Bei den meisten KMU hat sich die Auftragslage nicht wesentlich verschlechtert. Einige Kunden haben neue Entwicklungsprojekte verschoben; Diese Lücken wurden schnell und vollständig mit vorgezogenen Bestellungen aus der „Warteschlange“ gefüllt. Bei Modernisierungsprojekten im Bereich der Liegenschaftsgemeinschaften kam es zu Verzögerungen, da aufgrund von COVID-19 Sitzungen nicht oder deutlich verzögert abgehalten wurden.
USB: Und wie ist die Situation im Bestand?
EIN: In der Instandhaltung kam es zu Beginn zu Verzögerungen, weil es für bestimmte Orte, wie etwa Krankenhäuser oder Altenheime, ein Betretungsverbot gab – zumindest bis der Aufzug aufgrund einer Störung stehen blieb und das Gebäude nicht mehr regulär betrieben werden konnte. Da Aufzüge insgesamt weniger genutzt wurden – vor allem in Bürogebäuden aufgrund mobiler Arbeit – gab es auch weniger Störungen als in Vor-COVID-19-Zeiten.
USB: Wie wird sich die Situation in den kommenden Monaten entwickeln?
EIN: Im Moment sind unsere Mitglieder besorgt über die extreme Preiserhöhung. Zudem könnte es durch die Überlastung von Waren, insbesondere von elektronischen Bauteilen aus China, zu gravierenden Lieferengpässen kommen, die unsere Branche deutlich stärker beeinflussen werden, als es COVID-19 bisher hatte.
USB: Und welche weiteren Auswirkungen erwarten Sie von der COVID-19-Krise in den kommenden Jahren?
EIN: Bei Neubauprojekten wird der Markt für Wohnungsaufzüge ungestört weiterwachsen. Das liegt zum einen an der rasant und stark alternden Bevölkerung in Deutschland, die barrierefreies Wohnen braucht. Zum anderen ist der Wunsch der Deutschen nach mehr Eigentum statt Miete ungebrochen, der zunehmend durch günstigere Eigentumswohnungen statt Eigenheime befriedigt wird. Wie sich die Nachfrage nach Büroimmobilien entwickeln wird, ist noch unklar. Erste Prognosen gehen von bis zu 25% weniger Büroflächen in den nächsten 10 bis 20 Jahren aufgrund der verbleibenden Homeoffice-Anteile aus. Der Sanierungsbedarf bleibt hoch. Meine Prognose: Auch die nähere und fernere Zukunft des Aufzugsbaus sieht stabil bis angenehm aus.
USB: Abschließend, was ist Ihre aktuelle Empfehlung an Aufzugsunternehmen und Komponentenhersteller als wichtigste Maßnahme zur Eindämmung von COVID-19?
EIN: Unternehmen müssen umgehend eine COVID-19-Risikobewertung für ihre Mitarbeiter erstellen, daraus Schutzmaßnahmen ableiten und diese zügig umsetzen; VmA hat eine Modellrisikobewertung erstellt. Seit April 2021 sind auch alle Arbeitgeber verpflichtet, ihren Mitarbeitern einen kostenlosen wöchentlichen COVID-19-Test vor Ort anzubieten. Weitere aktuelle Tipps und Kontaktdaten finden Sie auf der Website des Verbandes unter www.vma.de.
Referenzen
1. https://www.ifo.de/prognosen/ifo-konjunkturprognose
2. www.wko.at/service/zahlen-daten-fakten/daten-oesterreich.html
3. www.zdb.de/meldungen/baukonjunktur-lieferschwierigkeiten-erschweren-weiterhin-baustellenbetrieb
4. bauinfoconsult.de/bautrends-2021-fachkraeftemangel-preisanstiege-und-immer-noch-corona/