Schwelmer Symposium 2022

By Undine Stricker-Berghoff | VERANSTALTUNGEN | August 5, 2022

22 Minuten zum Lesen

Schwelmer Symposium 2022
Alle Redner posieren für ein Gruppenfoto.
KI-Übersicht

Nach zweijähriger Pause trafen sich am 13. und 14. Juni 2022 über 100 Teilnehmer zum Schwelm-Symposium von Henning, um sich wieder auszutauschen und die Entwicklungen in der Aufzugsbranche – Menschen, Technologie und regulatorische Rahmenbedingungen – zu erörtern. Zwanzig Vorträge und eine Ausstellung behandelten Aufzüge als Systeme, Digitalisierung und vorausschauende Wartung, sich entwickelnde Normen und Gesetze wie die EN-81-Revision und die ISO-Umstellung, Weiterbildungsdefizite und die geringe Repräsentation von Frauen in der Branche, das Notrufmanagement und Herausforderungen der Marktüberwachung. Die Referenten hoben die Bedeutung der IoT-gestützten Zustandsüberwachung, die Notwendigkeit einer API-basierten Standardisierung zum Schutz von KMU, Lieferketten- und Chipengpässe mit Auswirkungen auf die Entwicklung sowie funktionale Sicherheit und Belüftungsvorschriften hervor. Die Organisatoren betonten den Wert des persönlichen Austauschs und kündigten das nächste Symposium für den 19. und 20. Juni 2023 an.

Menschen, Technik und Rahmenbedingungen werden vertieft.

Nach zweijähriger pandemiebedingter Pause kehrten mehr als 100 Teilnehmer zum Schwelmer Symposium zurück, präsentiert von Henning GmbH & Co. KG, am 13. und 14. Juni in der Firmenzentrale in Schwelm, Deutschland. Viele lange Pausen boten neben vielen Fachinformationen eine begehrte Gelegenheit zum persönlichen Austausch. In der begleitenden Ausstellung präsentierten 10 Unternehmen ihre Produkte und Dienstleistungen.

Die Eröffnung und Moderation der Veranstaltung übernahm am ersten Tag Wolfram Vogel von Vogel Gutachten, am zweiten Tag Volker Lenzner für den Mitveranstalter, den Verband der deutschen mittelständischen Unternehmen (VFA-Interlift). Am Vorabend trafen sich zahlreiche Teilnehmer auf Einladung der Sicor Srl zum Abendessen im Golfhotel Vesper in Sprockhövel. Ein gemeinsamer Grillabend verband die beiden Veranstaltungstage.

Vier Themen wurden untersucht:

  1. Der Aufzug als System: Wie Menschen ihn wahrnehmen, planen, realisieren und nutzen
  2. Digitalisierung des Aufzugs und seiner Umgebung
  3. Aktuelle Normen und Gesetze
  4. Neue technische Lösungen

In insgesamt 20 Vorträgen wurde viel Wissen geteilt, manches auch in Vorträgen und Diskussionen hinterfragt.

Das große Ganze: Aufzüge-Gebäude-Menschen

Drei Referenten befassten sich mit Aufzugssystemen und den Menschen dahinter. Vogel hielt einen Vortrag mit dem Titel „Denken und Handeln im Aufzugsbau“. Kommunikationsthemen im Aufzugsbereich umfassen Urbanisierung, demografische Entwicklung, Internationalisierung, Nachhaltigkeit (einschließlich Energieeffizienz), Klimaneutralität und Leichtbauweise sowie intelligente Anwendungen und KI. Zentrales Thema ist und bleibt die Sicherheit von Fahrgästen und Mitarbeitern. Vogel nutzte das Beispiel der Tragkonstruktion und deren technische Entwicklung, um diese Kommunikationsthemen aus der Perspektive der Bedeutung von Aufzugskomponenten zu veranschaulichen. Die Menschen müssen notwendige Entwicklungen akzeptieren. Gewohnheitsmäßige Strukturen und einfache Abläufe lösen sich auf, und neue Strukturen müssen entstehen. Gewinner und Verlierer werden sich neu formieren.

Neben Menschen wird KI ins Spiel kommen. Noch übernehmen Maschinen nur einzelne Aufgaben des Menschen. Sowohl Menschen als auch Computer werden immer intelligenter. Aber irgendwann wird die Maschine dem Menschen überlegen sein, glauben manche. Die Wunschvorstellung von Zukunftsforschern ist, dass Menschen und Computer eine parallele Lernkurve haben werden. Was müssen Menschen tun, um zu wachsen? Vogel aufgeführt:

  • Bereiten Sie sich vor.
  • Veränderungsprozesse.
  • Sich weiterbilden und sich weiterbilden.
  • Erwerben Sie Qualifikationen.
  • Bleib motiviert.
  • Betrachten Sie verschiedene Perspektiven.
  • Mitarbeiter anziehen.
  • Netzwerk.
  • Soziale Akzeptanz erzwingen.
  • Ermöglichen Sie die digitale Transformation.

Vogel betrachtete den Aufzug auch unter dem Gesichtspunkt des Klimawandels und stellte die Frage: „Wie wollen wir leben?“ Seine Antwort: „Zunehmend in einer dicht bebauten Stadt.“ Der Klimawandel wirkt sich auch auf Aufzugskomponenten aus. Derzeit entfallen weltweit 50–60 % der Ressourcen auf das Bauwesen. Die Zementproduktion ist für 5 % der globalen CO₂-Emissionen verantwortlich. Setzt sich die Urbanisierung und die Transformation von Wohnräumen in diesem Tempo fort, wird der Leichtbau mit anderen Materialien und Konstruktionen im Aufzugsbau unerlässlich.

Lenzner von VFA-Interlift betonte in seinem Vortrag „Dem Fachkräftemangel entgegenwirken – Kompakte Ausbildung zum Aufzugsmonteur“ die Bedeutung der Ausbildung. Da es in Deutschland keine Ausbildung für spezialisierte Berufe in der Branche mehr gibt, überwiegen Quereinsteiger mit entsprechender Ausbildung. Er stellte die Angebote der VFA Akademie detailliert vor: vfa-interlift.de/vfa/aktivitaeten-und-angebote/vfa-akademie.html. Neu ist die praxisorientierte Ausbildung zum Aufzugsmonteur im Ausbildungszentrum Menteroda der THOR Akademie und ihren Partnerunternehmen. In den EU-Ländern existieren kaum strukturierte Ausbildungsstandards. Deutschland orientiert sich an der VDI 2168; Kurse werden bereits in Großbritannien und Polen angeboten. Die ELA arbeitet an einer Expansion in Europa.

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Golf spielen auf dem Hotelgelände
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Ein Banner begrüßt die Gäste.
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Blick in die Ausstellung

Ein besonderer Aspekt wurde von der Autorin in ihrem Vortrag „WoLIE – Frauen in der Aufzugsbranche in Europa: Status und Perspektiven“ hervorgehoben. Schätzungsweise 15 % der Beschäftigten in der europäischen Aufzugsbranche sind Frauen. 14 % der Frauen verfügen über einen MINT-Abschluss (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik), im Vergleich zu 39 % der Männer. Auch in Führungspositionen sind Frauen unterrepräsentiert: In Deutschland liegt ihr Anteil bei etwa 34 %, ein deutlicher Kontrast beispielsweise zu medizinisch-technischen Assistentinnen, die zu 99 % weiblich sind.

Mehr Frauen in den Beruf und in besser bezahlte Jobs zu bringen, ist ein Wunsch der Branche. Politisch wird das Ziel unter anderem durch Kindergärten und Grundschulen, aber auch Quoten und strengere Gesetze, etwa zu sexueller Belästigung, die rund ein Drittel der Frauen am Arbeitsplatz erlebt, unterstützt. Einige Unternehmen der Aufzugsbranche engagieren sich, indem sie sich unter anderem am Girls Day + Boys Day, Homeoffice/mobiler Arbeit und/oder Personalentwicklungsmaßnahmen speziell für Frauen beteiligen. Konkrete Berichte und Anfragen von Frauen aus der Aufzugsbranche rundeten den Vortrag ab. Weitere Informationen zur Initiative WoLIE finden Sie unter wolie.eu.

Digitalisierung überall, auch im Aufzug

Wolfgang Seufert von der DB Station & Service AG steuerte einen Beitrag zur Digitalisierung bei: „Intelligente Technologien im Aufzug – Erwartungen und ein Bericht eines bundesweiten Aufzugsbetreibers“. Mit den Worten „Bei der Deutschen Bahn gibt es nichts, was es nicht gibt“ beschrieb er die 2,500 Aufzüge und 1,000 Fahrtreppen von 60 Herstellern, die in über 60 Jahren Bauzeit im Bahnnetz im Einsatz sind. Ihr Betrieb wird von ADAM überwacht, der internen IT-Lösung der DB zur Online-Erfassung der Verfügbarkeit kundenrelevanter Förderanlagen. Diese Verfügbarkeit – aktuell 97 % – steuert den hauseigenen Serviceanbieter, doch die Kosten steigen und die Bedingungen verschlechtern sich.

Die Ziele sind: Hohe Verfügbarkeit, Reduktion der Ausfallzahlen und Fokus auf zustandsorientierte Instandhaltung. Ziel ist es, Ausfälle zu erkennen, bevor sie auftreten, damit Geräte abends unbemerkt repariert werden können. Dazu wird IoT-Sensorik eingesetzt, um Daten zu sammeln, auszuwerten und damit potenzielle Ausfälle zu erkennen.

Das Sensorsystem:

  • Ermöglicht den Online-Vergleich der Leistungen von Dienstleistern und Herstellern und damit zustandsorientierte Reparatur und Service
  • Automatisiert Prozessabläufe für vorausschauende Maßnahmen
  • Schafft Transparenz für die Sekundärüberwachung
  • Schafft Voraussetzungen für die Prozessoptimierung

Vorausschauende Nachrichten werden in Zukunft nicht-invasiv und invasiv bereitgestellt. Wesentliche Kennzahlen von Aufzügen sind die Anzahl der Fahrten, die Ankunfts- und Türöffnungszeiten sowie die Fahrqualität. Bei Fahrtreppen zählen dazu unter anderem die Ermittlung des Umlaufs in Metern, Ölmangel im Getriebe und verschlissene Bremsen. Zukünftig sind robuste Systeme sowie eine Bewertung einzelner Komponenten erwünscht, um die Abhängigkeit von der Sensorik zu reduzieren.

Tim Ebeling von Henning wechselte mit seinem Vortrag „Aufzug 4.0 – Chancen und Risiken für KMU – Wo stehen wir und wo wollen wir hin?“ auf die Anbieterseite. Seit fünf Jahren gibt es zwar erste Versuche kleiner und mittlerer Unternehmen (KMU), neue Produkte auf den Markt zu bringen, doch keines davon hat sich flächendeckend durchgesetzt, und neue Geschäftsmodelle sind kaum entstanden. Stattdessen dominieren die vier großen Konzerne und sogenannte Disruptoren aus anderen Branchen den Markt. Das Unternehmen „Aufzugshelden“ bietet Betreibern seinen Service im Internet an: „Sie brauchen sich um nichts mehr zu kümmern!“ Wenn ein großer Konzern das verspricht und die Betreiber es glauben, ist der Markt für KMU verloren.

Digitale Lösungen werden die Kommunikation zwischen den Akteuren mit vielen Akteuren und vielen bilateralen Kontakten dominieren. Der Fortschritt ist noch langsam, da es keine einheitlichen Schnittstellen/Standards gibt. Erste Ansätze zur Standardisierung finden sich in Singapur. ISO 8102-20/IEC 62443 Cybersecurity definiert auch gegenseitige Anforderungen und Bedingungen zwischen Produktlieferant plus Systemintegrator plus Anlageneigentümer.

Endkunden wollen einen Aufzug und eine Cloud mit allen Daten, auch für alle Komponenten. Der Zugang für KMU zu dieser einheitlichen Cloud wird zum Beispiel durch CANopen ermöglicht, bisher aber kaum genutzt. Um strukturiert und organisiert an das Thema heranzugehen, muss ein Unternehmen Geld in die Tasche stecken und gleichzeitig jeder seine individuellen Lösungen auf Eis legen. Ebeling fragt KMU, ob eine gemeinsame Lösung benötigt, verstanden, benötigt und gewünscht wird.

Seiner Ansicht nach wird es keine nationale Lösung geben, aber zumindest eine europäische. Gruppen versuchen bereits, die technischen Details festzulegen, doch er spricht sich klar für eine Standardisierung aus. Es geht dabei nicht um die Öffnung eigener Systeme, sondern um die Definition der Programmierschnittstelle (API). Jeder Hersteller behält seine Cloud, aber die Kommunikation zwischen den Unternehmen über die API muss funktionieren.

Ludwig von Busse, Simplifa, präsentierte mit „Das digitale Scheckbuch“ eine praktische digitale Lösung. Betreiber wissen oft nicht, wie viele und welche Aufzüge sie besitzen. Sie wissen zwar, dass Wartungsarbeiten an den Aufzügen notwendig sind, aber nicht genau welche und wie viel diese kosten werden. Digitale Methoden können hier für Transparenz sorgen. Zu diesem Zweck bietet sein Unternehmen folgende Dienstleistungen an:

  • Analyse plus Reporting plus Planung
  • Überwachung plus Sensoren
  • Begehbare Aufzüge plus 360-Grad-Visualisierung
  • Digitalisierung von Dokumenten
  • Onboarding

Seine Vision ist es, in Zukunft Predictive Maintenance ggf. zusammen mit einem Partner anzubieten, aber dieser Weg erfordert einen bedarfsgerechten Service. Anschließend demonstrierte er live online, wie die Software beispielsweise Daten auf einem Prüfzertifikat oder Rechnungen selbstständig erkennt. Die Software prüft erforderliche Unterlagen und liefert eine Mängelliste. Darüber hinaus bietet es eine Portfoliobewertung mit Darstellung des aktuellen Ausstattungsstandes mit allen technischen Daten unter Berücksichtigung von Komponenten, IoT-Daten und Wirtschaftsdaten. Auch der Zugriff auf alle Dokumente wie Verträge oder Service-/Prüfberichte bis hin zur Ermittlung des Investitionsbedarfs bei festgestellten Fehlmengen oder Mängeln, z. B. fehlende Notbeleuchtung, ist enthalten. Auf Wunsch erstellt sein Service die Ausschreibungen für die Realisierung eines Projektes.

Technische Regeln und gesetzliche Vorschriften als Leitfaden für die Planung und Realisierung von Aufzugsanlagen

Unter diesem Thema wurden an den beiden Tagen neun Vorträge gehalten. Franz Watzke von FW Lift-Tech Consulting präsentierte „Neuigkeiten aus der Welt der Normen und Vorschriften“. Aus Europa berichtete er, dass die Maschinenrichtlinie derzeit überarbeitet wird. Bezüglich der CEN-Normen erklärte er, dass die Normen EN 81-21, -28, -58, -71 und -77 redaktionellen Änderungen und entsprechenden Anpassungen im Anhang ZA unterzogen werden. Die CEN-Veröffentlichung erfolgt zunächst Anfang Juni auf nationaler Ebene und dann bis Ende Dezember 2022, mit Übergangsfristen bis 2024.

EN 81-70 wird im Juli 2022 mit einer Änderung A1 zum Leuchtdichtekontrast zwischen benachbarten Oberflächen eintreffen. Er berichtete unter anderem über die laufenden Projekte EN 81-76 Evakuierungsaufzug und EN 81-82 Erhöhung der Barrierefreiheit.

Ein Schwerpunkt lag auf der anstehenden Überführung der EN 81-20/-50 in eine Norm der Internationalen Organisation für Normung (ISO). Es wird einige Änderungen geben. Diese betreffen neue Tragmittel, Treibscheibenaufzüge mit reduzierter Nennlast, Anforderungen an Maschinenbremsen, automatisches Rettungssystem, vertikale Schiebetüren, hydraulische Bremsentlastung und Inspektionsfahrten über Endhaltestellen hinaus. Der Entwurf des Zeitplans wird Ende 2022 erwartet. Einige ISO-Standards dieser 810x-xx-Reihe sind bereits vorhanden. Teil 20 Cybersicherheit wird voraussichtlich Ende 2022 veröffentlicht.

Zum Bundesgesetz über überwachungsbedürftige Anlagen (ÜAnlG) stellte er fest, dass dieses seit knapp einem Jahr in Kraft ist und bisher keine auffälligen Zeichen gesetzt hat. Technische Regeln für Betriebssicherheit (TRBS) 1201-1 Prüfung von Anlagen in explosionsgefährdeten Bereichen und TRBS 1203 Prüfberechtigte Personen wurden im Mai 2021 veröffentlicht. Die TRBS 3121 Betrieb von Aufzugsanlagen beinhaltet eine Anpassung der Schnittstelle Aufzug/Gebäude. VDI 2552 Blatt 11.5 BIM Standards Aufzüge sollte Mitte 2022 veröffentlicht werden. Ein Teil 11.6 für Fahrtreppen und Fahrsteige wird höchstwahrscheinlich folgen.

Horst Schickor von SBR Aufzugstechnik hinterfragte unter dem Titel „Neues Unternehmen, altes Leid – Regulieren wir uns zu Tode?“ die Entstehung und den ständigen Wandel von Normen im Allgemeinen. Die Aufzugsbranche profitierte von der Pandemie, da die Menschen Zeit und Geld hatten, ihre Wohnungen zu optimieren. Doch infolgedessen brachen auch Lieferketten zusammen. Lieferzeiten betragen bis zu 36 Monate. Der Krieg in der Ukraine ist nur zwei Flugstunden von Deutschland entfernt. Was, wenn die Russen den Gashahn zudrehen? Welche Auswirkungen wird der nächste Winter auf Industrie und Beschäftigung haben? Was tun wir, wenn uns das Material ausgeht? Seiner Ansicht nach spielt dies eine größere Rolle als das „Luxusproblem“ von Normen und Wettbewerbsbestimmungen.

Die Zehn Gebote umfassen 279 Wörter und sind unmissverständlich. Fast alle Menschen handeln seit Jahrtausenden danach. Die Betriebssicherheitsverordnung von 2015 hat 25,527 Wörter, zuzüglich Definitionen, die noch immer diskutiert werden. Die Norm EN 81-20 umfasst derzeit 275 Seiten, hinzu kommen zahlreiche weitere Normen dieser Reihe. Der Übergang zu einer ISO-Norm findet aktuell statt. Sein Fazit: „Es wird nicht einfacher!“

Anna Kuenzel vom TÜV SÜD (Süd) Industrie Service berichtete über „TRBS 1115 zur Funktionalen Sicherheit und EmpfBS 1115 zur Cybersicherheit“. TRBS 1115 enthält Definitionen, Eignungskriterien, Nutzungsbedingungen, sichere Anwendung, erweiterte Anforderungen an den sicheren Betrieb, EU-Richtlinien und -Verordnungen sowie den Stand der Technik.

Eine gute Planung gewährleistet die Funktionssicherheit (Funktionssicherheit FuSi). Der Sicherheitslebenszyklus (SLC) setzt sich zusammen aus:

  • Konzept
  • Planung
  • Realisierung
  • Funktionstest
  • Betrieb und Instandhaltung
  • Stilllegung

Das FSM-Management von FuSi umfasst: Rollen und Verantwortlichkeiten (Wissensmanagement), Arbeitsprozesse und Anweisungen (SLC), Verifizierung, Validierung (QM und Qualitätssicherung), Kontrolle der Funktionalität (Supply Chain Management), Sicherstellung der Anwendung von FSM und Dokumentation und Archivierung (Audit).

Bisher haben wir Menschen vor Maschinen geschützt. Jetzt schützen wir die Maschine vor Menschen. Zu den Schutzmaßnahmen bei Cyberattacken gehören nach EmpfBS 1115 Überlegungen zu Rollen, Rechten, effektiven Authentifizierungsverfahren, Härtung von Komponenten, Verwaltung von Daten, Unabhängigkeit, regelmäßige Überprüfung und Anpassung.

Thomas Lipphardt von KONE referierte zum Thema „Notrufmanagement: Die neue VDI 4705“. Schätzungsweise 80,000 Aufzüge in Deutschland sind noch immer ohne Notrufsystem in Betrieb. Ein steckengebliebene Personen sind daher nicht auszuschließen. Die Anweisungen im Aufzug, wie man sich in einem solchen Fall verhält, sind oft wirkungslos, da Kinder und ein Siebtel der Deutschen mit einer anderen Muttersprache sie nicht lesen können. Jedes Jahr reißen in Deutschland etwa 120 Menschen die Decke ihres Aufzugs auf, um nach einer nicht vorhandenen Notluke zu suchen – eine Anspielung auf amerikanische Filme. Die längste Aufzugsverstopfung in Deutschland dauerte zehn Tage; die betroffene Person kam dabei ums Leben. In Tokio, Japan, müssen Wasser und Toiletten in Aufzügen bereitgehalten werden, da nach Erdbeben bis zu 17,000 eingeschlossene Menschen nicht innerhalb kurzer Zeit befreit werden können.

Der VDI-Standard beinhaltet eine Notrufmanagementplanung zur technischen und organisatorischen Abwicklung von Notrufen von in Aufzügen eingeschlossenen Personen. Es richtet sich an Arbeitgeber/Betreiber, Bauherren, Architekten, Fachplaner, Prüforganisationen, Installations-/Wartungsfirmen und Rettungsdienste. Der Gründruck wurde im Frühjahr 2022 veröffentlicht; Einwände sind weiterhin möglich. Lipphardt ging Schritt für Schritt den Prozess eines steckengebliebenen Aufzugs durch, verdeutlicht durch eine Grafik nach VDI-Standard.

Jan Koenig vom Ingenieurbüro Ing4Lifts referierte zum Thema „Rauchableitung und Belüftung von Aufzügen (VDI 6211)“. Die Schachtrauchableitung ist noch nicht durch europäische und internationale Normen geregelt, dennoch kursieren zahlreiche, teils widersprüchliche Informationen auf dem Markt. Die VDI 6211 ergänzt unter anderem die EN 81-20, in der entsprechende Aussagen sowie weitere Regelungen enthalten sind, indem sie diese zusammenfasst und Hinweise zur Umsetzung gibt. Die Veröffentlichung des Grünbuchs war für Juli 2022 mit einer viermonatigen Einspruchsfrist geplant. Weitere Argumente für die VDI-Norm waren:

  • Energieeffizienz
  • Dichtheit von Gebäuden
  • Differenzierung Lüftung und Rauchabzug Bedarfslüftung

Ziele der Technischen Regel sind das Zusammenwirken von Systemen, die funktionsgerechte und sichere Gestaltung der Aufzugsanlage, Hinweise und Empfehlungen zur Dimensionierung. Zu den Inhalten gehören unter anderem:

  • Einhaltung der Anforderungen des Produktsicherheitsgesetzes
  • Betriebssicherheitsverordnung BetrSichV und Landesbaurecht
  • Belüftung der Aufzugsanlage, darunter unter anderem Stromausfall oder -abschaltung, sowie die Erwartung eines Einklemmens
  • Schnittstellen zu anderen Gewerken wie Gebäudeautomation und Brandmeldeanlagen
  • Installation, Wartung und Dokumentation
  • Erstinspektion und wiederkehrende Inspektion
  • Anhänge: CO2-Konzentration in der Aufzugskabine Berechnungsbeispiele und Stoffmengenbilanzen der Aufzugskabine

Tobias Brendel vom Ingenieurbüro Brendel befasste sich ausführlich mit dem Thema „Gefährdungsbeurteilung – obligatorische und freiwillige Bestandteile“. Der Aufzug ist ein Arbeitsmittel. Nur 5 % der Unfälle sind auf technische Defekte zurückzuführen; die übrigen auf menschliches Versagen. Grundlage ist die Gefährdungsbeurteilung (GBU) gemäß § 3 BetrSichV 2015. Die Grundlage einer GBU bildet die DIN EN 81-80:2019. In der Praxis sollten GBUs bereits seit 2003 erstellt werden, doch bis heute existiert in schätzungsweise über 100,000 Anlagen keine aktuelle GBU. Hinzu kommt, dass viele GBUs ungenaue Gefährdungsbeurteilungen enthalten. Änderungen können sich aufgrund von Systemen ergeben, die einer Überwachung bedürfen (Gesetz über überwachungsbedürftige Anlagen, ÜAnlG). Auch durch neue Technologien, wie beispielsweise die Nachrüstung von Desinfektionsanlagen in der Aufzugskabine, entstehen ständig neue Risiken, die eine regelmäßige Überprüfung der GBU erforderlich machen.

„Der Einfluss natürlicher Schwingungen von Aufzugsschachtwänden auf den zulässigen Körperschallpegel nach DIN 8989 Tabelle 3“ war das Thema des Vortrags von Ulrich Nees, Aufzug — Systeme — Beratung. Er berichtete über Probleme mit der Norm. Derzeit fehlen Stahlbauteile aus der Ukraine, weshalb die Wandbewehrungen an andere Positionen verlegt werden. Dadurch werden bis zu 3 dB höhere Werte gemessen.

Weitere Probleme sieht er beim Aufzugsschacht aus Beton. Wenn der Aufzug angehalten wird, hat der Schacht bereits eine relativ große Eigenschwingung. Wenn sich der Aufzug bewegt, steigt er an und überschreitet häufig die DIN-Vorgabe von 75-70 dB bei bestimmten Frequenzen. Als Untersuchungsmethode listet er auf:

  • Panzerort mit einem bildbasierten Suchsystem
  • Eine Aufzugsschachtwand mit 1 cm Betonüberdeckung ist nicht ausreichend; Eine ordnungsgemäße Betonüberdeckung ist durch den Einsatz von Abstandhaltern zu erreichen
  • Prüfung der Schallübertragung mit Dodekaeder-Lautsprecher
  • Anwendung des Impact-Echo-Verfahrens zur zerstörungsfreien Prüfung von Betonwänden
  • Messung der Querabweichung des Wagens über der Transporthöhe bei unzureichender Schwingungsisolierung

Gerhard Quanz vom Regierungspräsidium Kassel stellte das neue Marktüberwachungsgesetz (MüG) vor und fragte: „Wo sind die Aufzüge geblieben?“ Das MüG trat am 16. Juli 2021 in Kraft und setzt die EU-Harmonisierungsgesetzgebung nicht in nationales Recht um. Es gilt für Aufzüge und Sicherheitskomponenten gemäß drei europäischen und nationalen Gesetzen und Verordnungen. Das MüG definiert die Begriffe „Aussteller“, „Aussteller“, „Handelsakteur“ (z. B. Montagebetrieb) und „Fernabsatz“. Zuständigkeiten und Befugnisse liegen bei verschiedenen Landes- und Bundesbehörden. Das MüG verpflichtet Handelsakteure zur Zusammenarbeit mit den Marktüberwachungsbehörden. Zu deren Befugnissen gehören Maßnahmen gegen jeden Handelsakteur und Aussteller, wie die Entnahme von Proben, Besuche und Prüfungen (auch in Seehäfen) sowie die Erhebung und Auswertung öffentlich zugänglicher Informationen. Marktüberwachungsmaßnahmen greifen bei online und offline angebotenen Produkten in Form von Korrekturmaßnahmen und der Überprüfung der Produkteigenschaften durch Stichproben, Labortests oder Marktüberwachung. Sein Fazit: „Es ist ein einziges Chaos!“

Schwelmer Symposium 2022 - 5
Blick in den Tagungsort
Kaffeepause auf der Terrasse
Kaffeepause auf der Terrasse

Carsten Henriksen, Geschäftsführer von Schindler Deutschland, fasste die vier wichtigsten Normen und Gesetze mit dem Titel „Maschinenverordnung – Auswirkungen auf die Aufzugsbranche“ zusammen. Seit Mai 2019 läuft eine Überprüfung der Maschinenverordnung 2006/42/EG im Rahmen einer zwölfwöchigen Folgenabschätzung. Alle EU-Bürger, Unternehmen und Verbände konnten sich beteiligen. Die zahlreichen eingegangenen Kommentare machten die Überprüfung notwendig. Als wichtige Ergebnisse nannte er:

  • Eine Schwelle zwischen MD und Aufzugsrichtlinie (LD) bei 0.15 m/s bleibt bestehen.
  • Angleichung der EHSR (Gesundheits- und Sicherheitsanforderungen) zwischen MD und LD
  • Gleiches Sicherheitsniveau durch eine Konformitätsbewertung wie bei LD
  • Digitale Dokumentation
  • Steuerung – halten, um für offene Plattformen/Autos zu laufen
  • Digitalisierung, KI, IoT und Cybersecurity beim Einsatz der Maschinen

Nach der ersten Lesung wurde beschlossen, die Richtlinie in eine Verordnung umzuwandeln. Die Nummerierung der Abschnitte und Anhänge wurde geändert. Die Richtlinie 2006/42/EG wird 48 Monate nach Inkrafttreten dieser Verordnung zurückgezogen.

Technische Lösungen für den täglichen Gebrauch und spezielle Anwendungen. Fünf weitere Präsentationen befassten sich detailliert mit diesem Thema. Andreas Hunscher von Boehnke + Partner referierte über „Funktionale Sicherheit (FuSi) in der Aufzugstechnik“. FuSi wird wie folgt definiert: Ein automatisierter Prozess muss auch bei Störungen, wie z. B. Hardware-, Software- oder menschlichen Fehlern, fehlerhafter Dimensionierung oder Umwelteinflüssen, sicher bleiben. Die Sicherheit muss in drei Stufen gewährleistet sein:

  1. Inhärente Sicherheit liegt vor, wenn potenzielle Gefahren durch Konstruktion verhindert werden.
  2. Danach können trennende Schutzeinrichtungen wie Abdeckungen oder Unterstände verwendet werden.
  3. Hinweisen der Nutzer auf verbleibende Restrisiken sollte durch vorgelagerte Maßnahmen möglichst vorgebeugt werden.

In Aufzügen sind PESSRAL (Programmable Electronic Systems in Safety Related Applications for Lifts) als FuSi verfügbar. Für den Aufzugsbau können Lehren aus dem Maschinenbau gezogen werden, z. B. beim Betreten eines Bereichs mit gefährlicher Bewegung. Bei der Einfahrt in die Schachtgrube gibt es bisher kein FuSi, nur Anweisungen/Hinweise. ISO EN 81xx-xx könnte Lösungen aus der Maschinensicherheit anderer Branchen übernehmen. Die Verbesserung der Sicherheit muss nicht mit steigenden Kosten einhergehen.

Ludwig Semmler von Ziehl-Abegg behandelte 2019 in Teil 1 seines Vortrags über die Integration von Aufhängungselementen und Antrieben in ein System: Kleine Antriebe ergeben sich durch flexiblere Aufhängungselemente, kurze Schachtköpfe und -gruben und führen zu kostengünstigen, kompakten Antrieben. „Moderne Aufzugsantriebe Teil 2“ befasst sich mit der Anwendung und den Grenzen von Aufhängungselementen. Anforderungen aus Baumusterprüfungen beeinflussen die Konstruktion von Antrieben und Aufzügen: Austauschreife, maximale Anzahl von Fahrten/Biegezyklen bis zur Austauschreife, maximale Betriebsdauer, zulässige Betriebstemperatur, Torsion der Aufhängungselemente, Traktionsberechnung, Seilsicherheitsberechnung, erforderliche Mindestdurchmesser, Modell und Werkstoff der Zug- und Umlenkrollen. Der Referent präsentierte drei Beispiele von Baumusterprüfungen mit Hinweisen zur Handhabung. Das Baumusterprüfzeugnis gibt zudem an, ob im Falle einer Modernisierung ein Teilaustausch des Antriebs zulässig oder ein vollständiger Austausch erforderlich ist. Sein Fazit: Die Nutzung des Aufzugs bestimmt die Wahl der Aufhängungselemente. Für Anlagen mit hohem Fahrgastaufkommen sollten Stahlseile verwendet werden. Für Installationen mit geringerer Nutzungsintensität eignen sich kunststoffummantelte Seile und Gurte.

Dominik Herrmann von der Universität Stuttgart referierte anschließend über „Verfahren und Methoden zur Messung des Elastizitätsmoduls von Draht- und Faserseilen“. Er definierte den Elastizitätsmodul (REM) von Seilen. Die Werte werden durch Zugversuche ermittelt, da sie nicht berechnet werden können. Er beschrieb drei gängige Messmethoden. Das Ergebnis wird in Kurven dargestellt. Eine bleibende Dehnung führt nach wenigen Laststufen zu einem höheren REM. Die größten Unterschiede zwischen den Messmethoden liegen in ihrer Anwenderfreundlichkeit. Der Unterschied im REM ist hingegen vernachlässigbar: weniger als 1 %. Korrekte Laststufen entsprechend der späteren Anwendung sind wichtiger.

Boris Marjancevic von Fermator Deutschland präsentierte gemeinsam mit dem Partnerunternehmen Sicor das Thema „Modernisierungslösungen für Aufzugstüren – Moderne und kosteneffiziente Ansätze für die Teil- und Komplettmodernisierung von Kabinen- und Schachttüren“. Jürgen Kral von Meiller Aufzugtüren bot in seinem Vortrag „Nachhaltige und ressourcenschonende Modernisierung alter Aufzugstüren“ einen direkten Vergleich mit einem anderen Hersteller. Alle Referenten stellten die Produkte ihrer Unternehmen detailliert vor und erläuterten die Prinzipien und Vorteile des (Teil-)Austauschs.


Mensch und Technik in Zeiten nach Corona

Mensch und Technik in Zeiten nach Corona
(lr) Henning Geschäftsführer Tim Ebeling und Philip Molineus vor ihrer Firmenpräsentation auf der Messe

Beim Schwelmer Symposium hat Ihr Autor (USB) sprach mit Tim Ebeling (TE) und Philip Molineus (PM), die beiden Geschäftsführer von Henning, dem Unternehmen, das den Kongress seit 2003 veranstaltet.

USB: Freuen Sie sich nach zweijähriger Pause, dass Ihre Veranstaltung wieder stattfindet?

PM: Ja, absolut. Ich frage mich, ob ich vielleicht etwas altmodisch bin, aber persönlicher Kontakt ist durch nichts zu ersetzen.

USB: Was macht eine Konferenz für Sie wertvoll?

PM: Es gibt zwei Hauptaspekte. Aus technischer Sicht, wenn ein Webinar läuft, wissen wir alle, dass Sie nebenbei diese oder jene E-Mail checken, einen Moment einen Text lesen oder schnell einen Entwurf kommentieren. Konzentration sinkt. Von Wissen, das du aufnehmen könntest, dringt nur ein Bruchteil zu dir durch.

USB: Und der zweite Aspekt?

PM: Es geht hier um die Menschen selbst. Im Homeoffice fühlen sich viele einsam. Bevor sie anfangen, mit ihren Zimmerpflanzen zu reden, ist es viel besser, zu einer Konferenz oder ins Büro zu gehen. Telefonieren hilft nicht, weil nicht immer jemand erreichbar ist. Auch die Gerüchteküche funktioniert nicht mehr. Man lernt keine neuen Leute kennen – nicht einmal neue Kollegen.

USB: Wie macht sich das in einem Unternehmen bemerkbar?

PM: Die Arbeitsprozesse laufen nicht mehr reibungslos, da immer wieder ein Glied in der Kette fehlt oder nicht richtig geschlossen ist. Wissen wird nicht mehr weitergegeben. Und wenn etwas schließlich doch in Gang kommt, verzögert es sich stets erheblich, da die Beteiligten sich nicht regelmäßig, sondern vielleicht nur einmal pro Woche treffen. Der zusätzliche Aufwand, einen weiteren Anruf zu tätigen oder eine zusätzliche E-Mail zu schreiben, wird im Tagesgeschäft vermieden oder vergessen.

USB: Welche Unternehmensteile sind besonders betroffen, Herr Molineus?

PM: Der Vertrieb – und damit auch ich persönlich – freut sich, auf einer Messe wieder aktiv sein zu können. Mehrere Kunden lassen sich an einem Ort sehr effektiv und effizient nacheinander betreuen. Fast immer treffe ich potenzielle Neukunden in der Kaffee- oder Mittagspause und erst recht beim abendlichen Grillfest. Hier finde ich, ohne lange suchen zu müssen, auch neue Leute, von denen ich vor der Messe gar nichts wusste und die potenzielle Kunden sein könnten. Müsste ich diese Kontakte online knüpfen, wäre das deutlich komplizierter.

USB: Herr Ebeling, als Ingenieur in der zweiköpfigen Führungsspitze können Sie sicherlich einen technischen Aspekt zur Pandemiepause beitragen.

TE: Seit Beginn der Corona-Phase werden elektronische Bauteile zunehmend zum Problem. Lieferungen verzögern sich. Teile werden deutlich teurer.

USB: Warum?

TE: Langwierige Produktionsprozesse wurden immer wieder durch Lockdowns in verschiedenen Ländern unterbrochen und mussten neu gestartet werden. Einige Chipfabriken sind abgebrannt und können auf absehbare Zeit nicht produzieren. Die Kunden kaufen auch Vorräte in viel zu großen Mengen, die sie nicht schnell verbrauchen können. Um diesen Bedarf zu decken, werden größere Chargen produziert, was länger dauert. Die nächste Produktion einer Charge verschiebt sich entsprechend und Kunden, die zuvor verpasst haben, warten immer länger. Diese Verknappung führt in der Folge zu Preiserhöhungen.

USB: Wie geht die Firma Henning – stellvertretend für viele mittelständische Unternehmen – damit um?

TE: Wir sind gezwungen, das Design bestehender Produkte immer wieder neu anzupassen. Wir arbeiten mit den derzeit auf dem Markt verfügbaren Komponenten zu erschwinglichen Preisen. Da die personellen Ressourcen für solch hochqualifizierte Arbeit begrenzt sind, werden neue Entwicklungen auf Eis gelegt. Umsatzstagnation oder sogar -rückgang können mittelfristig die Folge sein. Das Unternehmen – und damit natürlich auch die deutsche Wirtschaft insgesamt – wächst langsamer.

USB: Wie passen Sie Ihre Prozesse entsprechend an?

TE: Bevor wir heute ein neues Produkt entwickeln, prüfen wir vorab, welche Komponenten verfügbar sind. Erst nachdem wir sie physisch in den Händen gehalten haben, beginnt der eigentliche Designprozess. Dieser Prozess sieht ggf. bereits alternative Komponenten vor, um Single-Source-Abhängigkeiten zu vermeiden. Die Folgen sind weitere Verschiebungen mit den zuvor beschriebenen Auswirkungen auf Umsatz und Ergebnis. Es ist jetzt weniger wahrscheinlich, dass wir auf einer Konferenz oder Messe etwas Neues präsentieren können.

USB: Und die Kostensteigerungen für Teile?

TE: Auch wenn wir alle Einsparpotenziale ausgeschöpft haben, kommen wir leider nicht darum herum, Preiserhöhungen an unsere Kunden weiterzugeben.

USB: Werfen wir einen Blick in die Zukunft.

TE: Diese „Blase“ wird platzen. Leider weiß im Moment niemand, wann. Wenn ich raten müsste, würde ich auf das dritte oder vierte Quartal 2023 tippen, ohne dafür verlässliche Beweise liefern zu können.

USB: Was veranlasst Sie zu dieser Aussage?

TE: Diese Art von Kaufverhalten hat es nach dem Unfall von Fukushima schon einmal gegeben. Jeder hat irgendwann so viele Vorräte rumliegen, dass die produzierten Chips keine Abnehmer mehr finden. Der Markt reguliert sich selbst und damit normalisieren sich die Preise.

USB: Kommen wir zurück zum Schwelm-Symposium. Wann trifft sich die Aufzugsbranche hier wieder?

PM: Am 19. und 20. Juni 2023, was ein Montag und ein Dienstag ist. Es geht in die 19. Runde. Wir hoffen dann, statt diesmal knapp über 100 Teilnehmern, an die höheren Zahlen aus Vor-Corona-Zeiten heranzukommen.

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